Karpatendeutsche

Sonderbeilage zum HEIMATBLATT
der Karpatendeutschen Landsmannschaft in Österreich
Oktober 2002

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Heinrich Paul Koch

Der Nationalsozialismus
und die Karpatendeutschen

unter besonderer Berücksichtigung
der Verhältnisse in Preßburg 

Mit einem Geleitwort von
Dr. Josef Heinz Derx
Obmann der KdLÖ, Wien

Heinrich Paul Koch

Der Nationalsozialismus und die Karpatendeutschen
unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse in Preßburg 

Es war eine turbulente Zeit, die wir da miterleben durften oder mußten - je nachdem, wie man es sehen will. Schon die Vorgeschichte ist ziemlich aufregend. Die Preßburger Deutschen, die Mitte des 19. Jahrhunderts noch drei Viertel und nach dem I.Weltkrieg noch immer etwa ein Drittel der Stadtbevölkerung stellten, waren sich ihres Deutschtums gar nicht so recht bewußt. Sie waren, wohl als Folge der vorangegangenen Magyarisierung , zu einem Großteil noch dem alten Ungarn in Sympathie verbunden. Sie hatten eine deutsche Zunge, aber ein magyarisches Herz, wie man sagte. Zu Österreich waren wohl Verbindungen da, aber die konzentrierten sich eher auf kulturelle Belange. Die deutschsprachigen Vorstellungen im Stadttheater von Preßburg beispielsweise wurden hauptsächlich von Wiener Bühnen bestritten. Mit dem langsam wiedererstarkenden Deutschen Reich war man viel weniger stark verbunden als etwa die Sudetendeutschen, die schon sehr früh in Konrad Henlein  einen militanten Verfechter nationalsozialistischer Ideen besaßen. Auf die Vorgeschichte und die Entwicklung des Nationalsozialismus (NS) im Deutschland und die parallele Entwicklung von Mussolinis Faschismus in Italien brauchen wir hier nicht einzugehen . Das kann als bekannt vorausgesetzt werden. Wir beschränken uns auf seine Ausstrahlung, zunächst in die erste Tschechoslowakische Republik (ˆ SR), dann in die selbständige Slowakei , des Dr.Jozef Tiso  bis zum Zusammenbruch im April 1945.

Ich werde zunächst die politische Organisation der deutschen Volksgruppe in der Slowakei kurz schildern und werde mir dann erlauben, meine eigenen Erlebnisse in dieser Zeit miteinzuflechten, so wie sie mir in Erinnerung geblieben sind. Sie werden hier zum erstenmal bekannt gemacht und dokumentiert. Ich war ein aufmerksamer Zeitzeuge, wenngleich mit eingeschränktem Beurteilungsvermögen. Bitte bedenken Sie, daß es die Erinnerungen eines damals 10-14jährigen Knaben sind! 

Politische Vorläuferparteien

Nach dem I.Weltkrieg, in der neugegründeten ˆ SR, kam es zu einer Wiedererweckung des deutschen Volksbewußtseins. Es gab wieder deutsche Volks- und Hauptschulen, zwei deutsche Gymnasien in Preßburg und Käsmark, eine Handelsakademie und eine Lehrerbildungsanstalt in Preßburg, eine Frauenfachschule in Käsmark, eine Bergmannsschule in Krickerhau, u.a. Am 22.März 1920 wurde die erste deutsche politische Partei gegründet, die »Zipser Deutsche Partei« (ZDP). 1928 kam eine zweite, die »Karpathendeutsche Partei« (KdP) hinzu. Die führenden Männer waren damals der charismatische DDr.Samuel Frühwirth , Dr.Roland Steinacker , Ing.Siegmund Keil  und Karl Manouschek . Sie wollten eine einheitliche deutsche Partei ins Leben rufen, die sämtliche politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Interessen für alle Karpatendeutschen vertreten sollte. Der einzige karpatendeutsche Abgeordnete im Prager Parlament, nämlich für die ZDP von 1925-38 war Andor Nitsch . Franz Karmasin    kam erst 1927 in die Slowakei. Am 1.April 1928 wurde er Sekretär des »Deutschen Kulturverbandes« (DKV) in der Zips . Erst später drängte er sich in die Gründerriege der KdP hinein. Es gab auch noch andere deutsche Parteigründungen nach 1918, die aber alle keine Bedeutung erlangten und bald wieder von der Bildfläche verschwanden .

Die führende KdP war zunächst staatstreu, aber deutschnational und antimarxistisch, sie bekannte sich zur christlichen Weltanschauung und verhielt sich neutral zum aufkommenden NS. Der Zank zwischen ZDP und KdP führte dazu, daß Frühwirth 1935 den Vorsitz der KdP aufgab, den nun Franz Karmasin übernahm. Karmasin gewann bald die Oberhand. Er ging mit der »Sudetendeutschen Partei« (SDP) Konrad Henleins eine Listenverbindung ein, und der Block erzielte bei der Wahl 1934 starke Stimmengewinne , so daß man fortan in Prag drei Abgeordnete stellen konnte (A.Nitsch, S.Keil und Pfarrer Emmerich Varga). Von da an schloß sich die KdP immer mehr der Ideologie des NS an. Wahrscheinlich deshalb wurde die KdP von den ˆ SR-Behörden im September 1938 verboten. Nach dem Umbruch 1938/39 wurde das Verbot zwar aufgehoben, es gab dann aber nur mehr die von Karmasin neugegründete »Deutsche Partei« (DP), die als Sammelbewegung für alle Karpatendeutschen gedacht , völlig gleichgeschaltet und streng nach dem NS-Führerprinzip von Weisung und Gehorsam ausgerichtet war, und Karmasin wurde der »Volksgruppenführer«  der Karpatendeutschen . Die DP wandelte er allmählich von einer politischen Partei in eine Volksgruppenorganisation um.

Da er seine Ernennung zum Volksgruppenführer von höchster Reichsstelle - wohl aus Rücksichtnahme auf die Souveränität des Staates - nicht erhalten konnte, ließ er sich 1940 in diese Funktion auf Lebenszeit (!) "wählen". Dazu wurden 129 "Wahlmänner" als Vertreter der Ortsgruppen bestimmt. Es gab nur einen Kandidaten : Karmasin. Die Wahlmänner wurden in der Wahlversammlung einzeln namentlich aufgerufen und mußten offen ihr "Ja" dazu abgeben.

Die politische Organisation der deutschen Volksgruppe

Wie gesagt, an der Spitze stand die »Volksgruppenführung« . Die nach dem Vorbild der NSDAP gestaltete DP war fortan die einzige politische Organisation der deutschen Volksgruppe . Die Deutschen in der Slowakei machten allerdings nur knapp 5 Prozent der Bevölkerung aus. Dank ihrer reichsdeutschen Schutzherren waren sie gegen bestimmte Intentionen der Slowaken weitgehend immun. Dennoch kam es ständig zu Benachteiligungen der Karpatendeutschen durch die slowakischen Behörden beim Gebrauch der Muttersprache, den Bildungsmöglichkeiten, der Arbeitsplatzvergabe, den Aufstiegschancen usw., und die Volksgruppenführung hatte alle Hände voll zu tun, das Ärgste abzuwenden, oftmals mit Hilfe der Deutschen Botschaft. Erbitterte behördliche Fehden waren diesbezüglich nicht selten.

Anstelle des diskriminierenden Begriffes "Minderheit" (slow. menšina) wurde der Terminus "Volksgruppe" eingeführt. Die Lenkung erfolgte durch die »Volksdeutsche Mittelstelle« (VOMI) in Berlin, ein "Amt" (= Diensstelle) des »Reichssicherheitshauptamtes« (RSH), das dem Reichsführer-SS Heinrich Himmler direkt unterstand und das die deutschen Volksgruppen im Ausland straff nach reichsdeutschen Interessen steuerte und überwachte . Die eigentliche Aufsicht übte die Deutsche Gesandtschaft in Preßburg aus. Einfluß nahmen auch der in Wien residierende Reichsstatthalter Arthur Seyss-Inquart , der Gauleiter Joseph Bürckel  und der Wiener SS-Gewaltige Dr. Ernst Kaltenbrunner . Hinzu kam die massive Präsenz reichsdeutscher "Berater" in verschiedenen slowakischen Behörden und Organisationen. Diese Berater waren zuständig für Polizei, Wirtschaftsangelegenheiten, Finanzwesen, Propaganda, Judenfragen , Armee und Hlinka-Garde . Formal unterstanden sie dem deutschen Gesandten, insgeheim berichteten sie dem Außenamt in Berlin oder an Himmler persönlich. Die Slowaken waren jedoch Meister der passiven, schlauen Opposition, wenn es galt, mit den unerfahrenen reichsdeutschen Beratern fertig zu werden, und sie sabotierten deren Anweisungen mit Erfolg. Die Berater hatten ohnehin keinerlei Weisungsbefugnis gegenüber den slowakischen Stellen, und Staatspräsident Tiso begegnete jedem Versuch der direkten Einflußnahme mit einer freundlichen Hinhaltepolitik.

Der erste deutsche Gesandte in der freien Slowakei war Hans Bernard (von Juli 1939 bis Juli 1940), ein Karrierediplomat. Er wollte die freie Slowakeit zu einer "Visitenkarte des Reiches" für Südosteuropa machen und zum ersten Baustein einer "neuen europäischen Ordnung". Bernard wurde ersetzt durch Manfred v.Killinger , und dieser wiederum wurde 1941 abgelöst von dem militanten Hanns Ludin . Vorher hatte als deutscher Konsul Ernst von Druffel die Geschäfte geführt.

Die Volksgruppenführung war in die Hauptleitung in Preßburg und in sieben Kreise, die wieder in zahlreiche Ortsgruppen unterteilt waren, gegliedert . Dazu kamen die angeschlossenen Verbände und Formationen. Für jedes Fachgebiet wurde ein "Amt" eingerichtet, das von einem "Amtsleiter" geführt wurde, dem wieder die "Ortsverwalter" unterstellt waren. Insgesamt gab es 12 Ämter   für die Selbstverwaltung der deutschen Volksgruppe. Die politischen Ortsgruppen waren weiter unterteilt in "Kameradschaften" und "Nachbarschaften", "Ortsbauernschaften" und "Gewerbefachschaften", etc., die wiederum von eigenen Funktionären geleitet wurden. Da es vielfach Mangel an geeigneten Führungspersönlichkeiten gab, wurden zahlreiche Funktionäre aus dem Sudetenland herbeigeholt. Übrigens, die parteiinterne Anrede lautete "Kamerad" - so wie man bei den Sozis und Kommunisten "Genosse" sagt. Selbverständlich war der "deutsche Gruß" mit halberhobener, gestreckter rechter Hand und mit "Heil Hitler" verpflichtend, so auch in den Schulen für Lehrer und Schüler. In den Schulklassen hing noch immer ein Kruzifix, daneben aber, links und rechts davon je ein Bild von Tiso und Hitler. An Festtagen wurde mit der Staatsfahne und der Hakenkreuzfahne beflaggt. Die Grußformel "Heil Hitler" wurde ferner in Verlautbarungen, Erlässen, Briefen u.dgl. benutzt. Parteihymne war das Horst-Wessel-Lied. Obligater Abschluß jeder Parteiveranstaltung war das dreifache "Sieg Heil!". Das nationale Selbstbewußtsein der Deutschen wurde dadurch enorm gefördert - aber auch die Ressentiments der Slowaken. Die nach wie vor deutschfeindlich eingestellten Slowaken beschimpften die Deutschen als "Hitlerovci" (Hitlerleute).

Das Zeichen des NS, das Hakenkreuz, wurde in der Slowakei allgemein zum Symbol des Deutschtums, zum Kennzeichen und zum Synonym für "deutsch". Im Reich war das Hakenkreuz zuerst nur Symbol einer politischen Partei, und es blieb das auch bis diese an die Macht kam. Bei uns machte man keinen Unterschied zwischen politischer Anschauung und Nationalität. Wer sich das Abzeichen, ein Hakenkreuz im weißen Schild, ansteckte, tat dies um zu zeigen, daß er Deutscher sei, nicht unbedingt Anhänger des NS-Regimes. Präsident Tiso hat den Deutschen auch den Gebrauch aller NS-Zeichen ausdrücklich garantiert - durch sein Wort, nicht durch Gesetz. Die DP war auch dazu berechtigt, Bescheinigungen über das deutsche Volkstum von Personen (Ausweise) auszustellen.

Nun war es auch an der Zeit, alle früheren Organisationen und Vereine aufzulösen bzw. der neuen Zeit anzupassen. Der Deutsche Kulturverband, die Deutsche Jugendfürsorge, die deutschen Turn- und Sportvereine, die Gewerkschaften usw. wurden in die DP-Organisation eingegliedert. Sitz der Volksgruppenführung wurde das ehemalige Anker-Palais an der Donaulände in Preßburg. Die Finanzierung erfolgte über eine "Volkssteuer" in der Höhe von 0,5 bzw. 1% des monatlichen Einkommens, die direkt eingehoben wurde. Die Zahlmarken wurden in den DP-Ausweis eingeklebt. Bedeutende finanzielle Mittel erhielt die an chronischem Geldmangel leidende Volksgruppenführung von der VOMI und von anderen Reichsstellen.

Präsident Tiso mußte der DP völlige Organisationsfreiheit einräumen. Karmasin wurde als »Deutscher Staatssekretär im Amt des Ministerpräsidenten« (so der offizielle Titel) in die slowakische Regierung aufgenommen. Ein "deutsches Ministerium" aus der "Hand des Führers" zu bekommen, gelang ihm nicht. Gerne hätte er auch das Preßburgerland an Großdeutschland angegliedert gesehen, der Wunsch nach einer "Heimholung" oder einem "Anschluß" (slow. "anšlus") nach dem Vorbild Österreichs fand aber bei Hitler kein Gehör . Alle, die sich in der Slowakei als Deutsche bekannten (gem. Volkszählung von 1930), wurden automatisch Mitglieder der DP - besonders gefragt wurde da keiner. Man konnte aber auch ohne die Partei leben, wenn man wollte, bis auf ganz wenige Ausnahmen wie Lehrer und Studenten. 1939 hatte die DP 56.000 Mitglieder, und da die Volksgruppe ca. 150.000 Menschen umfaßte (d.s. ca. 5% des Staatsvolkes), waren zwei Drittel bloß normale (slowakische) "Staatsbürger". Die geplante Erfassung aller Deutschen in einem "Nationalitätenkataster" kam nie zustande.

Neben zahlreichen Mitläufern und Opportunisten  gab es Distanzierte und Oppositionelle, so vor allem in der Unterzips und im Hauerland, wo viele deutsche Arbeiter der Kommunistischen Partei (KPˆ ) angehört hatten, aber auch in Preßburg. Zeitweilig gab es sogar aktiven Widerstand, sogar in den eigenen Reihen der DP (z.B. der Advokat Dr.L.Emery in Preßburg, Pfarrer J.Steinhübl  und P.Herzog in Krickerhau), doch dieser wurde nach internen Auseinandersetzungen von Karmasin unterdrückt. In Krickerhau kam es im Oktober 1940 sogar zu einem regelrechten Bergarbeiterstreik, an dem auch deutsche Gewerkschafter führend beteiligt waren und der nur durch den massiven Einsatz der Staatsmacht unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Mit der "Endlösung der Judenfrage" haben die Karpatendeutschen nichts zu tun gehabt. Die diesbezüglichen Maßnahmen unternahmen die Slowaken in willfähriger Kollaboration, möglicherweise nach "Anweisung" der zuständigen Stellen im Reich (erst nach der Besetzung 1944 wurde ein "Sonderkommando für die Judenfrage" des deutschen SD in der Slowakei aktiv). Im September 1941 wurde dazu ein eigenes Judenstatut, der »Judenkodex« erlassen . Die Sammlung der Juden und ihren Abtransport besorgte die HG in ihrer Eigenschaft als Hilfspolizei. Noch dazu verbreitete man das Gerücht, daß die Juden aus ganz Europa nach Kriegsende einen eigenen Staat bekommen würden, um sie auf halbwegs zivilisierte Art für immer loszuwerden. Es muß jedoch vermerkt werden, daß viele Juden als sog. "HZ-Personen" (hospodarský þ id = Wirtschaftsjude) völlig unbehelligt blieben, wenn sie "wirtschaftlich benötigt" wurden. Ca. 10.000 Personen kamen so davon.

Die »Freiwillige Schutzstaffel«

Noch aus der Kampfzeit unter der ˆ SR stammte die paramilitärische Organisation der »Freiwilligen Schutzstaffel« (FS). Die FS war im März 1939 gemeinsam mit der slowakischen »Hlinka-Garde« (HG) gegen tschechoslowakische Putschisten aufgetreten ,. Der kurzfristige Militärputsch ging am 3.-10.März 1939, wohl mit Wissen der Prager Regierung, von dem tschechischen Divisionskommandanten in Neusohl, General Bed¾ ich Homola, aus (sog. "Homola-Putsch"). Die FS-Männer waren nach dem Muster der reichsdeutschen »Schutzstaffel« (SS) uniformiert mit Braunhemd und Hakenkreuz-Armbinde, schwarzer Hose und Schaftstiefeln und schwarzer Schiffmütze. FS-Landesführer war Walter Donath. 1939 hatte die FS ca. 5.500 Mann, gegliedert in sechs Sturmbanne.

Die FS war Kampftruppe und Erziehungsinstrument zugleich. Ihre Elite war für das Führerkorps der DP bestimmt. Unterster Dienstgrad war "Scharführer". Alle künftigen Funktionäre mußten aus der FS hervorgegangen sein. Innerhalb der FS gab es noch eine besonders militärisch geschulte »Einsatztruppe« (ET), die auf Weisung von Kaltenbrunner geschaffen wurde und die dem Wiener SS-Hauptsturmführer Riegler unterstand. Bis 1942 traten bereits 750 Mann der ET zur Waffen-SS über.

Die »Deutsche Jugend« in der Slowakei

Diese Unterorganisation der DP war 1939 nach dem Vorbild der »Hitler-Jugend« (HJ) bzw. des »Bundes deutscher Mädel« (BDM) im Reich gestaltet worden. In ihr gingen alle früheren Jugendorganisationen und Vereine auf wie Turnerschaft, Kulturverband, Wandervogel, Pfandfinder u.dgl. Mitte 1939 gehörten der »Deutschen Jugend« (DJ) ca. 17.000 Jungen und Mädchen vom 10. bis zum 18.Lebensjahr an. Der Erfassungsgrad lag bei 80%. Landesjugendführer war Ferdinand Klug, Landesmädelführerin Paula Kropp, verehel. Klug, nach ihr Leni Hesse.

Die Gliederung der DJ umfaßte 4 Banne und 4 Unterbanne mit 32 Gefolgschaften und 32 Jungvolkfähnlein bei den männlichen und 32 Gruppen und 32 Jungmädelgruppen bei den weiblichen Kindern und Jugendlichen. Die Uniformen waren ebenfalls der HJ bzw. dem BDM nachempfunden. Die Jungen ("Pimpfe") hatten graue Hemden (nicht braune!) mit Hakenkreuz-Armbinde und kurze schwarze Schnürlsamthosen an, mit schwarzem Halstuch und Lederknoten, mit Koppel und Schulterriemen, und mit weißen Kniestrümpfen. Die Mädchen ("Jungmädel") trugen weiße Blusen und blaue Röcke. Auf die weiteren Formationen, Dienstgrade, den Dienstablauf und die Aktivitäten gehen wir hier nicht weiter ein.

Weitere Unterorganisationen der DP

Als Sammelbecken für alle Sporttreibenden wurde der »Deutsche Turn- und Sportverband« (DTSV) gegründet. In seinen Reihen waren 4000 Erwachsene registriert. Leiter war W.Donath.

Die »Frauenschaft« der DP erfaßte alle weiblichen Parteimitglieder ab dem 21.Lebensjahr. Gegliedert war die Frauenschaft in Ortsgruppen. Landesfrauenschaftsführerin war Resl Chlup. Eine eigene Unterorganistaion namens »Glaube und Schönheit« diente zusätzlich der NS-Schulung der Frauen und Mütter.

Dann gab es noch den »Freiwilligen deutschen Arbeitsdienst«, an dem jedes männliche Parteimitglied vom 18. bis zum 50.Lebensjahr teilzunehmen verpflichtet war. Es wurden gemeinnützige Arbeiten, je nach Befähigung, im Dienste der Volksgruppe ausgeführt. Ein besonders markantes Projekt war der Bau des deutschen Sportstadions am Ziegelfeld in Preßburg. Die Anlage war nicht nur als Sportstätte, sondern auch als Aufmarschplatz bei Parteikundgebungen bestimmt. Dort wurden Großveranstaltungen (z.B. am 1.Mai), Jugendwettkämpfe, das jährliche Bannsportfest und ähnliches abgehalten. Geradezu ein Ruhmesblatt ist folgendes : Nach der Brandkatastrophe von Maierhöfen (Majerka) in der Oberzips im Juni 1942, bei der das Dorf mit 450 Einwohnern fast völlig zerstört wurde, hat der Arbeitsdienst innerhalb weniger Monate unter finanzieller Mithilfe aus allen deutschen Gebieten der Slowakei, alles neu und schöner wiederaufgebaut.

Weitere angeschlossene Unterorganisationen der DP können wir hier nur summarisch aufzählen. Es sind dies die Deutsche Gewerkschaft (später in "Arbeitsfront" umbenannt), die NS-Volkswohlfahrt (NSV) , das Winterhilfswerk (WHW), die Karpatendeutsche Studentenschaft , der Kriegerbund , die Karpatendeutsche Erzieherschaft (KE), die Ärzteschaft, der Musikverband, die Deutsche Bauernschaft, der Handels- und Gewerbeverband, die Freiwillige Feuerwehr, Heime und Schulungseinrichtungen, und noch einige mehr. Alle wurden nach NS-Prinzipien ausgerichtet und mußten in diesem Geist tätig sein. Praktisch war alles und jedes im Leben wichtige Detail von der DP erfaßt. Ein Kuriosum am Rande : Das Tribunal in Nürnberg verzichtete auf die Einreihung der DP in die Liste der "verbrecherischen NS-Organisationen". Wer sich unter den Zuhörern für weitere Einzelheiten interessiert, der sei ausdrücklich auf das großartige Werk unseres Landsmannes Rudolf Melzer »Erlebte Geschichte« in 2 Teilen, Wien 1989 und 1996, hingewiesen.

Ich habe die Entwicklung zum NS hin als Einleitung geschildert. Ich weiß, daß solche Aufzählungen eher langweilig sind, und deshalb möchte ich in der verbleibenden Zeit ein wenig auf die konkreten Erlebnisse eingehen, so wie ich sie selbst erlebte und in Erinnerung habe. Dabei sollen weitere Aspekte der NS-Zeit in Preßburg aufgezeigt werden.

Kirchen und Schulen

Für die Erhaltung des Deutschtums in der Slowakei waren die Kirchen und die Schulen von entscheidender Bedeutung. Darum hat ja auch die radikale Magyarisierung vor dem I.Weltkrieg dem deutschen Volkstum so großen Schaden zugefügt. Karmasin und seine Leute wußten das natürlich, und deshalb drängten sie darauf, das deutsche Schulwesen unter ihre Kontrolle zu bringen. Mit der Einrichtung der »Deutschen Schulabteilung« innerhalb des slowakischen Unterrichtsministeriums mit Wirkung vom 1.März 1939 gelang ihnen das auch. Lehrpläne und Lehrerausbildung wurden völlig nach der NS-Ideologie ausgerichtet. Leiter der Schulabteilung war zunächst Dr.Paul Wodilla , später Ing.H.Friedel und dann Dr.Karl Meznik. Schulinspektoren und alle Professoren und Lehrer mußten der Parteileitung genehm sein. Der NS-Geist sollte schon von den Schulen ins Volk getragen werden. Bezeichnend ist folgendes Beispiel : Mit Erlaß vom 6.März 1942 wurde ein "deutsches Schulgebet" angeordnet (es hieß tatsächlich noch "Gebet"!); es lautete :

 

Herr, beschütze unser deutsches Land,
den Führer, den Du uns gesandt,
gib Kraft zu seinem Werke.
Von unsrem Volke nimm die Not,
gib Arbeit uns und täglich Brot
und Einigkeit und Stärke.

 

Im Jahr 1940 verfügte die deutsche Volksgruppe über 177 Volks- und Hauptschulen mit 558 Klassen und 560 Lehrkräften bei knapp 22.000 Schülern. Trotzdem bestand permanent Mangel an geeigneten deutschen Lehrkräften. Nicht einmal durch Anwerbung von Sudetendeutschen konnten alle offenen Lehrerstellen besetzt werden. Die Situation verschärfte sich noch als mehr als 70 Lehrer zum Militärdienst eingezogen wurden. Sämtliche Pensionisten und verheirateten ehemaligen Lehrerinnen mußten reaktiviert werden. Der »Karpatendeutschen Erzieherschaft« gehörten ca. 700 Mitglieder an : Professoren, Lehrer, Fachlehrer, Heimleiter/innen und Kindergärtnerinnen. In den deutschen Sprachinseln waren die Lehrer oft die einzigen Träger kultureller Aufbauarbeit und natürlich Parteifunktionäre der DP.

Die Entkonfessionalisierung der Schulen durch Verstaatlichung war bereits durch die ˆ SR gleich nach dem I.Weltkrieg erfolgt. Der slowakische Staat unter Tiso änderte daran nichts. Er war sowieso klerikal ausgerichtet und geführt, und deshalb drohte weder Kirchen noch Schulen Gefahr von dieser Seite. Wohl aber bestand ein gewisser Gegensatz zwischen der NS-Volksgruppenführung und einzelnen deutschen Kirchenmännern, sowohl den katholischen, wie den evangelischen. Die Parteiführung strebte eine "Vereinheitlichung" der deutschen katholischen und evangelischen Schulen natürlich unter NS-Ideologie an. Von den Deutschen in der Slowakei waren 1940 etwa 72% römisch-katholisch und 22% evangelisch AB, der Rest waren andere. Die »Deutsche evangelische Landeskirche AB in der Slowakei« wurde von der slowakischen Kirche auch formal getrennt, gemäß Beschluß auf der Synode von Liptau St.Nikolaus. Deutscher Landesbischof wurde Johannes Scherer , Wilhelm Grüneberg wurde Landeskirchenrat.

Dennoch habe ich den Eindruck, daß es zwischen der politischen Führung und den Kirchen keinen richtigen Kulturkampf gegeben hat. Das Verhältnis zu den Kirchen blieb, wenigstens nach außen hin, korrekt. Die zum Großteil tiefgläubigen Karpatendeutschen wollte man nicht vor den Kopf stoßen. Das nationalsozialistische "Neuheidentum" fand unter den Karpatendeutschen kaum Anhänger. Die Schulen bzw. die Lehrerschaft waren ohnedies zur Gänze auf NS-Linie, der deutsche Klerus allerdings nur zum Teil. Pfarrer Josef Steinhübl war sogar NS-Kreisleiter in Deutsch-Proben und Abgeordneter der DP im slowakischen Parlament. Die anderen Geistlichen hielten sich eher bedeckt, offenen Widerstand wagte keiner. In offenem Gegensatz traten nur die slowakischen Bischöfe in Erscheinung. Mit den slowakischen Schulbehörden gab es mancherlei Reibung, so etwa wegen der von der NS-Parteilöeitung angestrebten "Rückholung ethnisch gefährdeten deutschen Volkstums" in einigen Streusiedlungen . Noch etwas : Eine "Säuberung der Volksgruppe" fand 1943 statt; dabei wurden ca. 700 "Asoziale" und "geistig Minderwertige" ins Reich verbracht, mit weitgehend ungeklärtem Schicksal.

Auf weitere Aktivitäten der Volksgruppenführung, etwa auf dem Gebiet der Heimatforschung, des Museums-, Bücherei-, des Film-, Musik- und Theraterwesens, der deutschen Archive Preßburgs, der Bergstädte und der Zips, usw. können wir hier nicht weiter eingehen. Da es dazumal ja noch kein Fernsehen gab, war der Film ein wichtiges Informations- und Propagandamittel. Die Kulturfilmbühne »Weltspiegel« in Preßburg ist jedem von uns noch in guter Erinnerung. In der Zips und im Hauerland gab es ebenfalls mehrere DP-eigene Lichtspielhäuser.

Noch eine kuriose Aktivität sei hier erwähnt : Man wollte das Deutschtum in jeder Hinsicht festigen. Die "Eindeutschung" der Volksgenossen ging so weit, daß ein Gesetz zur Namensänderung bei Vor- und Familiennamen durchgesetzt wurde. Fremdklingende Namen konnten nunmehr in richtige deutsche umgeändert werden (z.B. Czaizel in Zeisel), die slowakische weibliche Endung -ová beim Familiennamen konnte fortan weggelassen werden. Von der DP wurde diese "völkische Flurbereinigung" als unerläßlich abgesehen. Nicht vorhersehbar war gewesen, daß auch Slowaken im umgekehrten Sinne davon Gebrauch machen würden.

Deutsches Pressewesen und Rundfunk

Ein eigenes »Presse- und Propagandaamt« hatte die Koordinierungsarbeit zu leisten. 1940 waren damit ca. 280 Personen an 160 Orten befaßt. Die Organisation war zugleich ein Nachrichten- und Informationssystem für die Parteiführung. Diejenigen Zeitungen und Zeitschriften, die noch weiter erscheinen konnten, waren selbverständlich der NS-Ideologie verpflichtet und gleichgeschaltet. Die älteste, seit 1764 bestehende »Preßburger Zeitung« (ein Vorläufer in lateinischer Sprache hieß »Nova Posoniensia«), die ab 1929 als »Neues Preßburger Tagblatt« unter dem letzten Chefredakteur Emil Portisch (Vater des bekannten Journalisten Dr.Hugo Portisch) weitergeführt wurde, mußte im März 1939 ihr Erscheinen einstellen. Die einzige noch verbliebene deutsche Tageszeitung in Preßburg war der »Grenzbote« (gegr. 1872 als »Westungarischer Grenzbote«, ab 1918 ohne den Zusatz) unter dem Chefredakteur Fritz Fiala. Das Kampfblatt »Deutsche Stimmen«, 1934 von Karmasin als Organ der KdP gegründet, gab nun Dr. Karl Hauskrecht heraus. Eine Wochenzeitung der DP hieß »Kampfblatt«, mehr für den internen Gebrauch bestimmt waren die »Amtswalter-Pressebriefe«. Eine weitere Wochenzeitschrift waren die »Deutschen Pressebriefe aus der Slowakei«. Eine monatlich erscheinende Kulturzeitschrift, »Karpatenland«, wurde von Karmasin selbst herausgegeben. Besonders an die Lehrerschaft gerichtet war der »Karpatendeutsche Erzieher«. Ein Schulungsblatt für die Jugend hieß »Deutsche Jugend in der Slowakei«, und eine Schülerzeitung »Karpatenheimat«, herausgegeben von der Karpatendeutschen Erzieherschaft. Das alte, traditionsreiche Wochenblatt »Karpathen-Post« (gegr. 1880), das sich nicht unterordnen wollte, wurde 1942 verboten, was damals einige Turbulenzen verursacht hat. Übrigens, die deutschen Presseerzeugnisse durften im Reich nicht verkauft werden!

Im slowakischen Rundfunk gab es seit März 1939 täglich eine Stunde lang deutsche Sendungen im Abendprogramm, wöchentlich eine halbe Stunde Schulfunk vormittags und sonntäglich eine halbe Stunde Morgenfeier. Die übrige Information besorgte ohnedies der nahe Reichssender Wien.

Meine Schulzeit in Preßburg

1937, mit sechs Jahren, wurde ich "eingeschult", wie man heute sagen würde. Das war aber bereits ganz außergewöhnlich, denn ich kam nicht in die deutsche evangelische Volksschule in der Tolstojgasse, sondern mußte in die slowakische Volksschule gehen. Die Repression der deutschen Bevölkerung durch das Beneš-Regime war bereits so stark, daß meine Eltern offenbar Anfeindungen durch Tschechen und Slowaken fürchteten, oder gar Repressalien, und sie es vorzogen mich in die näher gelegene » Štefá nikova ² udová ã kola chlap˜ enská « , die Štefanik-Volksschule für Knaben, in der Grösslinggasse zu schicken. Am 1. September 1937 trat ich dort ein. Es war ein Schock, aber ich weinte nicht so wie die meisten anderen Kinder, daran kann ich mich noch gut erinnern. Denen wurde ich als Ausbund von Tapferkeit vorgehalten : "Vidíte, ten Nemec nepla˜ e!" (Seht, der Deutsche weint nicht). Ich verstand nämlich kein Wort Slowakisch - damals. Ich habe also Lesen und Schreiben in einer mir fremden Sprache gelernt, nicht in der Muttersprache!

Die slowakischen Lehrerinnen waren immer korrekt, freundlich und hilfreich. Lediglich von tschechischen Mitschülern wurden wir deutschen Kinder manchmal angefeindet . Den tschechischen Schikanen waren Deutsche, Magyaren und Slowaken gleichermaßen ausgesetzt. In offiziellen Dokumenten mußten die Namen tschechisch geschrieben werden, genauso wie im ehemaligen Königreich Ungarn alle ungarisch zu sein hatten. Vornamen wurden überhaupt slawisiert (z.B. Jind¾ ich statt Heinrich oder Heinz), die Frauen hatten die Endung -ová an ihren Familiennamen anzuhängen. Ortsnamen mußten tschechisch ausgedrückt werden; ein Briefträger konnte Post mit deutscher Ortsbezeichnung zurückgehen lassen. Die Bezeichnungen von Straßen, Plätzen und andere öffentliche Aufschriften wurden geändert, mit slawischen Namen, versteht sich. Die Repression in den Schulen wurde immer härter. Sämtliche Bemühungen des DKV wurden als "Germanisierung" diffamiert. Verbale Pöbeleien und physische Rempeleien gegen Deutsche und Ungarn, ja sogar gegen Slowaken, waren an der Tagesordnung. Im Gegenzug wurden 1939 die Tschechen von den slowakischen Behörden sämtlich des Landes verwiesen. Sie mußten ins damalige Protektorat zurückkehren. "ˆ eši, peši do Prahy!" (Tschechen, per pedes nach Prag!) hieß die Devise. Nur unersetzliche Fachkräfte durften bleiben. Es war das die erste Vertreibung einer Bevölkerungsgruppe aus der Slowakei!

Bei den Schulfeiern, zum Beispiel am Schulschluß, mußten wir die Staatshymne singen, zuerst die tschechische "Kde domov mõ j" (Wo meine Heimat ist), dann die slowakische "Nad Tatrou sa blý ská " (Es blitzt über der Tatra). Ab 1939 wurde sie dann durch die neue, national-slowakische Hymne ersetzt "Hej, Slová ci!" (Auf, Slowaken!), in der eine Strophe "Hlinka je ná š oÿ ec, Tiso vodca ná š" (H. ist unser Vater, T. unser Führer) und deren Refrain "Na strá þ  !" (Auf die Wacht!) lautete, was zugleich der slowakische Gruß war (entsprechend dem "Heil Hitler!" der Deutschen). Später, in der deutschen Schule mußten wir dann "Deutschland, Deutschland über alles" und "Die Fahne hoch!" singen (die üblichen "Lieder der Nation"). Schon als Kind also fünf verschiedene Texte. Die Eltern hatten noch "Áll meg, a Magyar!" (Steh auf, Magyare!) singen müssen, also insgesamt sechs Hymnen. Wie sollte man das alles ernst nehmen?

Dann, nach dem Umbruch 1939, kam ich endlich in die deutsche Volksschule in der Tolstojgasse. Mein Klassenlehrer dort hieß Ernst Wagner, und er war nicht nur ehemaliger Frontsoldat im I.Weltkrieg gewesen, was er immer wieder hervorhob, sondern auch glühender Nationalsozialist und eifriger, aktiver FS-Mann. Direktor der Schule war zu dieser Zeit Viktor Progner . Auch unser hochverehrter Landsmann Julius Robert Luchs  war Klassenlehrer an dieser Schule. Er war zugleich Leiter der »Deutschen Erzieherschaft« (DE).

Beim »Deutschen Jungvolk«

Bereits in der dritten Volksschulklasse wurden wir, die 10 bis 14-Jährigen, ausnahmslos zum »Deutschen Jungvolk« (DJ) vergattert. Die älteren, 14 bis 18-Jährigen, kamen zur »Hitler-Jugend« (HJ). Gefragt, ob er oder sie wollte oder ob es die Eltern erlauben, wurde niemand, die Zustimmung zum Beitritt wurde stillschweigend vorausgesetzt. Die Mädchen wurden gleichzeitig in den »Bund deutscher Mädel« (BDM) aufgenommen. Am 20. April 1941, zu "Führers Geburtstag", wurde mein Jahrgang feierlich "auf Führer und Volk vereidigt" (eigentlich Oberhaupt eines fremden Staates!), in einem Festakt in dem großen Garten der Gastwirtschaft Albrecht beim Roten Kreuz. Bei diesem und anderen festlichen Anlässen gab es Paraden und Aufmärsche mit Fahnen und klingendem Spiel der Trommeln und Fanfaren, und natürlich in Uniform (siehe oben).

Es sei hier gerne zugegeben, daß der "Dienst" in der DJ von uns nicht abgelehnt wurde, denn er bestand hauptsächlich aus Spiel und Sport, aus Gesangs- und Filmabenden, u.dgl. Unser Jugendheim befand sich in dem alten Palais De Pauli in der Venturgasse Nr.15 im ersten Stock . Besonders beliebt waren die Jugendlager, vor allem das "Pfingstlager", bei dem 2-3 Tage in Zelten geschlafen und am Lagerfeuer gegessen wurde, und die restliche Zeit mit Geländespielen und Wettkämpfen ausgefüllt war. Man knüpfte damit bewußt an die Tradition der »Wandervogel-Bewegung« der Vorkriegszeit an. Jedenfalls weckte das alles unseren Nationalstolz gewaltig.

Reibereien gab es mitunter mit nationalistischen, deutschfeindlich eingestellten Slowaken. Ein tragischer Vorfall ist mir in Erinnerung geblieben, der seinerzeit riesiges Aufsehen erregt hat. Am 21. Dezember 1940 erstach ein slowakischer Soldat namens Rudolf Lavi˜ ka den deutschen DJ-Angehörigen Alfred Tulis mit seinem Bajonett. Der Mörder wurde von dem slowakischen Richter Dr. Anton Rašla lediglich zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt - und es kam weder ein Protest von der deutschen Volksgruppenführung, noch aus Berlin. Was sich da hinter den Kulissen abgespielt hat, bleibt wohl für immer verborgen. Der selbe Dr. Rašla war später der Ankläger von Dr. Jozef Tiso beim Schauprozeß - und damit sein Henker. Ein slowakischer "Wendehals", und diese Sorte bleibt immer obenauf!

Die Erziehung in der Schule und in der Jugendorganisation war natürlich nationalistisch und ganz im Sinne der reichsdeutschen Politik ausgerichtet. Ich erinnere mich noch, daß in unserem Klassenzimmer eine große Landkarte hing, auf der wir anhand der Wehrmachtsberichte durch Stecknadeln mit bunten Köpfen den Verlauf der Fronten in West, Süd und Ost täglich neu markierten. Besonders der Afrikafeldzug Rommels weckte Stürme der Begeisterung. Es wurden sogar Wetten abgeschlossen, wann und wo die deutschen Truppen nach Ägypten vordringen würden. Als dann die ersten Rückschläge im Kriegsverlauf bekannt wurden, war die Begeisterung bald zu Ende.

Besuch Hitlers in Engerau

Übrigens, Hitler war selbst nie in Preßburg. Nur am gegenüberliegenden Donauufer, auf der Terrasse des Aucafés weilte er kurz, als er stolzgeschwellt nach dem Erfolg des »Münchener Abkommens« , die gemäß dem (ersten) »Wiener Schiedsspruch«  neu zum Reich gekommenen Gebiete in Engerau und Theben besichtigte. Von dort aus blickte er auf die Silhouette der Stadt und dabei fiel ihm auch die hohe Säule mit dem Böhmischen Löwen obenauf, hinter dem Štefanik-Denkmal, auf. Als er von seiner Begleitung hörte, welche Bewandtnis es damit habe, murmelte er nur : "Die Katz' muß 'runter!" Möglicherweise erinnerte sie ihn an den Britischen Löwen, mit dem ihm das Rencôntre damals noch bevorstand? Und tatsächlich, sieben Wochen später war die Katz' weg, die provokante Symbolfigur. Ich selbst erinnere mich noch, daß man den Bronzelöwen zunächst im Hof der Pionierkaserne abstellte, die wir von unserer Dachterasse aus einsehen konnten. Die hier stationierten slowakischen Gardesoldaten setzten sich zum Gaudium als Reiter obendrauf und sie hängten ihre roten Uniformhosen nach dem Waschen darauf zum Trocknen auf. Heute steht das Wappentier wieder auf einem öffentlichen Platz in Preßburg, vor dem Nationalmuseum an der Donaulände, allerdings auf viel niedrigerem Podest. Übrigens, seinerzeit blickte der Löwe grimmig nach Osten, zum ungarischen "Erbfeind" hin, heute sieht er nach Westen - und das tut er immer noch!

Am deutschen Gymnasium in Preßburg

Nach der dazumal noch fünfjährigen Volksschule kam ich im Herbst 1942 in das altehrwürdige » Deutsche Staatliche Gymnasium zu Preßburg« auf dem Palisadenweg, durch das schon Generationen von deutschen Preßburgern gegangen waren. Zuvor hieß es das » Evangelische Lyceum« . Die 1606 gegründete Schule war nämlich ursprünglich eine private konfessionelle Hochschule, die erst später in ein Gymnasium umgewandelt wurde. Ihr erster Sitz war in der Konventgasse in der Altstadt. Das Gebäude am Palisadenweg, Ecke Moyses-Gasse , wurde 1854 erbaut. Im Volksmund trug es weiter die Bezeichnung Lyceum, obwohl sein Lehrplan dem eines humanistischen Gymnasiums entsprach. Die im Besitz der evangelischen Gemeinde gewesene Anstalt wurde im Juni 1922 von den Tschechen verstaatlicht und hatte nun auch das magyarische Gymnasium aufzunehmen, so daß ein Schichtunterricht eingeführt werden mußte. Vorübergehend, während des I.Weltkrieges, diente das Gebäude auch als Lazarett. Zur Schule gehörte ein großer, mit Eisengittern umzäunter, aber sonst offener Schulhof, der im Sommer als Turnplatz und im Winter als Eislaufplatz diente. Nur gegen Ende des II.Weltkriegs wurde auf dem Areal ein sog. "Splittergraben" angelegt, ein mit Erde überdachter, durch Holzbalken wie in einem Bergwerk gestützter Unterstand, der bei den zu erwartenden Luftangriffen als Schutzraum hätte dienen sollen. Es kam gottlob nie zu dieser Verwendung, und das Bauwerk hätte bei einem direkten Bombentreffer auch gar keinen Schutz geboten. Während der Splittergraben im Bau war, benutzten wir Kinder das wie eine Mondlandschaft aussehende Gelände zum Spiel von "Räuber und Gendarm" - so war es doch noch zu etwas von Nutzen.

Erst viel später, am 2.April 1943, fand die feierliche Umbenennung unserer altehrwürdigen Schule in » Staatliches Deutsches Lenard-Gymnasium« statt. Das klang vornehm und wir waren stolz und zufrieden damit. Der Namensgeber, Professor Dr. Philipp Lenard, war ein berühmter Physiker und einer der Nobelpreisträger des Jahres 1905. Lenard erhielt den höchsten Preis der Wissenschaft als zweiter Deutscher (nach Röntgen 1901). Seine Vaterstadt Preßburg machte ihn 1942 aus Anlaß seines 80.Geburtstages zum Ehrenbürger. Die slowakische Universität in Preßburg verlieh ihm das Ehrendoktorat. Das deutsche Gymnasium am Palisadenweg aber wurde ihm zu Ehren umbenannt - für kurze drei Jahre!

Schulprobleme aus dieser Zeit sind mir nicht in Erinnerung geblieben, obgleich kriegsbedingt Klassen zusammengelegt wurden und die Schülerzahl einen ordentlichen Unterricht kaum noch ermöglichte. Immerhin hatte allein der deutsche Zweig des Gymnasiums in den 1940er Jahren rund 700 Schüler. Mein Klassenvorstand war eine Frau, Dr. Ludovika Fischer-Colbrie, verehel. Szova . Sie unterrichtete das Fach "Deutsch", und in dem hatte ich immer ein "Sehr gut". Direktor des Gymnasiums war Dr.Karl Meznik . An die anderen Professoren des Preßburger Gymnasiums habe ich nur noch verschwommene Erinnerungen. Insgesamt umfaßte der Lehrkörper etwa 40 Personen, die alle den Titel "Professor" führten und auch so angeredet werden mußten. In der Mehrzahl waren es Männer, nur ganz wenige Frauen waren darunter.

Der »Deutsche Heimatschutz«

Der Putschversuch einzelner slowakischer Politiker und der Partisanenaufstand in der Mittelslowakeit im August 1944 waren der Anlaß, über Selbstverteidigungsmaßnahmen zu entscheiden. Die grausamen Verbrechen der Partisanen an der deutschen Zivilbevölkerung zwangen einfach dazu. Die sog. Partisanen standen unter der Führung von seit langem eingeschleusten sowjetischen und exil-tschechoslowakischen Insurgenten. Das Ganze war eigentlich ein ordinärer Bandenkrieg hinter den deutschen Linien, auch wenn sich Teile der regulären slowakischen Armee an dem Aufstand beteiligten. Nachträglich wurde das zum »Slowakischen Nationalaufstand« (SNP = Slovenské Národné Povstanie) hochstilisiert, und diese Diktion der Kommunisten hat bis heute Bestand in der Slowakei. Der gegen das Tiso-Regime gerichtete Aufstand diente vornehmlich dazu, noch vor Torschluß in das Lager der Sieger überzuwechseln und die Teilnahme der Slowakei am Krieg an der Seite Hitler-Deutschlands vergessen zu machen.

Die wehrpflichtigen karpatendeutschen Männer hatten bereits in der slowakischen Armee ihren Wehrdienst zu leisten gehabt. Sie waren bereits im Verband des "Deutschen Bataillons" - ursprünglich ein Artillerieregiment in Käsmark und ein Regiment Infanterie in Kremnitz, mit größtenteils slowakischen Offizieren und Unteroffizieren (eine selbständige Truppeneinheit mit deutscher Kommandosprache kam nie zustande) - in der slowakischen »Schnellen Division« an der Ostfront zum Einsatz gekommen. Viele Volksdeutsche  waren auch zur Wehrmacht oder Waffen-SS angeworben worden oder hatten sich freiwillig dazu verpflichtet. Dann, am 15.Januar 1945, traf der Befehl von Himmler ein, alle Karpatendeutschen der Jahrgänge 1910 und jünger hätten sofort zur Waffen-SS einzurücken. Die älteren Jahrgänge wurden zum »Deutschen Heimatschutz« (DHS) herangezogen. Die im Reich in der Wehrwirtschaft tätigen wurden zum dortigen »Volkssturm« eingeteilt . Die älteren Jahrgänge der DJ im Gebiet von Preßburg wurden zu Schanzarbeiten für die "Festung Preßburg" herangezogen.

Der "Heimatschutz" war, wie gesagt, 1944 aus Anlaß des Partisanenaufstandes ins Leben gerufen worden. Es war das ein letztes Aufgebot, zum Schutz der eigenen Zivilbevölkerung gedacht. Die Männer machten Dienst in zusammengewürfelten Uniformen, teilweise aus solchen der Waffen-SS - was später vielen, die in Gefangenschaft gerieten, zum Verhängnis wurde - nur mit einer DHS-Binde am Arm, unzulänglich ausgerüstet und schlecht versorgt. Ein Teil der DHS-Männer wurde einfach an der Südostfront in die Wehrmacht eingegliedert, ein anderer im Endkampf um Preßburg und Wien eingesetzt, das Gros des DHS kam nach Prag, wo sich das Sammelbecken des armseligen Haufens befand. Insgesamt waren über 17.000 Mann in deutschen Wehrverbänden erfaßt. Viele von ihnen kamen in die sowjetische Gefangenschaft nach Sibirien, wo sie jahrelang festgehalten wurden und schwerste Zwangsarbeit leisten mußten. Unzählige Karpatendeutsche kamen dabei ums Leben. Auch an diese armen Menschen möchte ich hier erinnern, und daran, daß von einer Wiedergutmachung für diese "Zwangsarbeiter" nirgendwo die Rede ist!

Die Evakuierung

Gegen Ende 1944 erstarrte die Volksgruppenarbeit fast völlig, sie beschränkte sich ohnedies nur mehr auf den Preßburger Raum. Zu den letzten Aktivitäten der Volksgruppenführung gehört die Organisation der Evakuierung der karpatendeutschen Bevölkerung aus der Slowakei. Nach den Erfahrungen beim Partisanenaufstand war diese Maßnahme notwendig geworden, und nach unserer Einsicht im Nachhinein rettete sie uns möglicherweise Gesundheit und Leben. Diejenigen, die sich der Evakuierung entzogen und in der Slowakei blieben, bezahlten diesen Entschluß mit dem fürchterlichen Schicksal der Internierung in den Lagern, den brutalen Mißhandlungen und schließlich der Austreibung (tschech. odsun), wenn nicht gar mit ihrem Leben. Man schätzt, daß es etwa 20-30.000 Deutsche waren. Wir, die wir "freiwillig" weggingen, erhielten in den Aufnahmeländern die Chance zu einem Neuanfang und zur Begründung unseres jetzigen Wohlstandes. Wir haben eindeutig das bessere Los gezogen!

Zur Evakuierung also : Bereits im September/Oktober 1944 verfügte die VOMI die "Totalevakuierung", das heißt die Zwangsevakuierung der gesamten deutschen Bevölkerung der Ober- und Unterzips, kurz darauf auch des Hauerlandes. Die Räumung von Preßburg und seinem Umland wurde erst im November/Dezember geplant und Januar/Februar 1945 eingeleitet. Die Evakuierung galt als "vorübergehend", denn die Parole vom "Endsieg" durfte nicht in Frage gestellt werden. Durchhalteparolen wurden weiterhin ausgegeben, zuletzt bei einer Feier am Jahrestag der NS-Machtergreifung am 30.Januar 1945. Der Übertritt von Flüchtlingen ins Reich war ab November 1944 ohne Paß und Visum erlaubt. Es muß anerkannt werden, daß die reichsdeutschen Behörden für die Unterbringung und Verpflegung der Flüchtlinge in Behelfslagern in Schulen, Stadtsälen, Pensionen, Gasthäusern und Privatquartieren Sorge trugen. Die "vorläufig Rückgeführten" erhielten eine "Vorläufige Bescheinigung" als Ausweis, gültig jeweils für drei Monate, ebenso Lebensmittel- und Kleiderzuteilungskarten.

Zur Organisation : Zuerst wurden die Schulkinder für die Evakuierung erfaßt. Die geschlossene Verschickung ins Sudetenland, jede Klasse des Gymnasiums in Begleitung ihrer Lehrer, wurde penibel geplant. Ob und wie es letztendlich dazu gekommen ist, weiß ich nicht mehr, denn wir setzten uns vor dem Eintreffen der Russen auf eigene Faust ab.

Aus der Slowakei evakuiert werden mußten auch noch ca. 5000 reichsdeutsche Kinder aus den KLV-Lagern mitsamt den 1300 sie begleitenden Erziehern . Einigen gelang die Flucht über Zakopane in Polen, andere, aus Bad Pistyan, wurden mit bewaffnetem Schutz vom DHS herausgeholt. In dem kleinen Ort Luboch¹ a, nahe bei Rosenberg im Waagtal, wurde eine KLV-Gruppe von etwa 100 Kindern von den Partisanen massakriert.

Für die aus Preßburg zu Evakuierenden standen Transportzüge und Donauschiffe zur Verfügung. 2000 Personen waren für den Schiffstransport vorgesehen, aber nur 700 konnten infolge Mangels an geeigneten Schiffen auch so abtransportiert werden. Ein nicht unbedeutender Teil der Flüchtlinge war in Trecks mit bespannten Fahrzeugen oder zu Fuß unterwegs. Die Bahn- und Schiffstransporte konnten wegen der Fliegerangriffe nur nachts fahren. Ein letzter Bahntransport ging in der Nacht vom 1./2.April vom Preßburger Hauptbahnhof ab (am 4.April nahmen die Sowjets Preßburg ein). Ein geschlossener Treck von Fußgängern war am Nachmittag des 31.März (Karsamstag) in Richtung Marchegg abgegangen. Am Ostermorgen setzte sich die Autokolonne der Volksgruppenführung nach Westen ab mit Ziel Kremsmünster. Das war das Ende!

Schlußbemerkungen

Wir Karpatendeutschen werden immer wieder - nicht allein von linksorientierten Kreisen - als "selber schuld an unserem Schicksal" hingestellt. Man wirft uns "eine gewisse Affinität zum nationalsozialistischen Gedankengut" vor und sagt, wir seien die "Fünfte Kolonne Hitlers" in der ˆ SR gewesen . Besonders die Geschichtsschreibung in der ˆ SR/ˆ SSR tat dies gerne, und manche Tschechen und Slowaken betrachten es auch heute noch in diesem Sinne. Man will uns die Verantwortung an den fürchterlichen Geschehnissen von 1945 und danach zuschieben. Dem möchte ich hier dezidiert widersprechen!

Wir lebten in der freien Slowakei in einem Friedensparadies, auf einer Art "Insel der Seligen", und waren den Slowaken prinzipiell freundschaftlich verbunden. Die wenigsten Volksdeutschen kannten das Hitlerregime und dessen Konsequenzen wirklich. Man glaubte, daß im Reich Ordnung herrsche, niemand arbeitslos sei, die Leute gut verdienten und im übrigen, daß der große und weise Führer schon für alles Sorge trage. Wir wußten nichts von den Kriegsgreueln und den Verbrechen der Nazis, die sie in den KZs und in den von ihnen besetzten Ländern begingen. Denn als Information stand uns nur die damals über die Medien vermittelte Propaganda zur Verfügung.

Deutschland war in unseren Augen groß und stark, es focht für hehre Ziele - unter anderem die Vereinigung aller Deutschen in einem Deutschen Reich - also eine gerechte Sache. Und das betrachteten wir mit Sympathie, und wir befolgten das, was man von uns verlangte. Wir sahen im NS nur die Fortentwicklung einer erfolgreichen Volkstumspolitik. Wir begrüßten den Anschluß Österreichs und die Abtretung des Sudetenlandes. War das falsch? Aus damaliger Sicht gewiß nicht. Nachher ist man immer klüger als zuvor! Uns einen Vorwurf wegen unserem damaligen Verhalten zu machen - vor allem die jüngere Generation tut das heute gerne! - ist unfair und ungerecht. Das sollte endlich ein Ende haben. Für unsere dazumal begangenen läßlichen Sünden haben wir inzwischen mit der schwersten Strafe gebüßt, die es überhaupt gibt : Mit dem Verlust der Heimat!

 

 

Anmerkungen

(Die Fußnoten sollen als "Anmerkungen" nach dem Text eingefügt werden!)

 

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Anschrift des Verfassers :

Univ.-Prof. Mag. DDr. Heinrich P. Koch

A-3400 Klosterneuburg, Franz-Horst-Gasse 32