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Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen in Österreich Geschichte |
Im Jahre 1775 übernahm Österreich mit der Bukowina ein praktisch herrenloses Gebiet, das nominell zwar Bestandteil des rumänischen Fürstentums Moldau, tatsächlich aber ein unter türkischer Oberhoheit stehendes Gebiet darsstellte, denn beide Donau- Fürstentümer, sowohl die Moldau als auch die Walachei, waren der Hohen Pforte in Konstantinopel tributspflichtig. Ein kleiner Teil im Norden des Landes soll um das 12. Jahrhundert zum ukrainischen Fürstentum Halizc, dem späteren Galizien gehört haben. Die Bukowina von den Deutschen auch Buchenland gerufen umfaßte eine Gesamtfläche von 10.442 Quadratkilometern. Das Gebiet, das zur Zeit der Landnahme durch Österreich wegen seiner Rückständigkeit und Armut keines anderen Nachbarn Interesse erweckte, entwickelte sich in verhältnismäßig kurzer Zeit infolge des Fleißes der ins Land geholten Siedler und Dank einer hervorragenden Organisation zu einer Oase des Fortschrittes im Osten Europas. So zählte 1775 der fast vollständig unbekannt gewesene Marktflecken Czernowitz 1390 Einwohner oder 278 Familien. Als Österreich 1918 Czernowitz an Rumänien abtreten mußte, hatte diese Stadt schon fast 80.000 Einwohner, wovon 47 % bei der Volkszählung im Jahre 1910 ,,Deutsch als Umgangssprache angaben.
Bei der letzten österreichischen Volkszählung im Jahre 1910 hatte die Bukowina 794.945 Einwohner, davon waren 34,3% Rumänen, 38,4 % Ukrainer (damals noch Ruthenen genannt), 12% Juden, 9,2% Deutsche und 6% Angehörige anderer Volksstämme, wie Polen, Ungarn, Slowaken, Armenier und Zigeuner.
Die Deutschen, von denen die ersten schon im 14. Jahrhundert ins Land gekommen waren, gehörten zu 25,3% dem Bauernstand an, 10,4% waren Handwerker mit landwirtschaftlichem Nebenerwerb, 23,4% Arbeiter, Tagelöhner und Häusler, 17,5% Angestellte und freiberuflich Tätige. Der Glaubenszugehörigkeit nach waren die Deutschen zu 75% römisch-katholisch und zu 25% evangelisch.
Zunächst wurde die Bukowina, zu deutsch Buchenland, 62 Jahre hindurch als selbständiger Kreis entgegen dem Willen ihrer Bevölkerung von Lemberg aus regiert. Erst 1849 wurde sie ein eigenes Kronland und verkörperte bis 1918 das östlichste Kronland der Habsburger. Die Bukowina wurde oft von österreichischen Kaisern besucht, so von Josef II. 1783 und 1786, oder Kaiser Franz I. 1817 und 1823. 1862 verlieh ihr Kaiser Franz Josef ein ihrem staatsrechtlichen Range entsprechendes Herzogliches Wappen.
![]() Die Residenz des griechisch-orientalischen Metropoliten mit ihrer Kathedrale und der angeschlossenen Universität gehört zu den schönsten Bauten aus der österreichischen Zeit von Czernowitz. Foto: J. Peheim, Katsdorf |
1875 wurde in Czernowitz die Universität mit zunächst drei Fakultäten ( Jus, Philosophie und griechisch-orthodoxe Theologie) eröffnet. Czernowitz war damit neben Prag, Wien, Graz und Innsbruck die fünfte Universität des österreichischen Teils der Monarchie. Die Landsmannschaft der Buchenlanddeutschen hat im Jahre 1978 in Linz das 100jährige Jubiläum der Gründung der Universität Czernowitz, mit dem Festredner Dr. Otto von Habsburg, feierlich begangen. Die Buchenlanddeutschen Wieso kam es dazu, daß gerade Czernowitz eine Universität bekam, da doch auch Salzburg, Linz, Olmütz, Triest und Laibach auf der Liste standen? Nach der Ausrufung des Deutschen Reiches 1871 durch Reichskanzler Bismarck in Versailles kam es in der Folge zur Gründung der westlichsten deutschen Universität in Straßburg. Dieser national motivierte Vorgang machte auf die damals 12 Millionen Deutsch-Österreicher in der Monarchie einen großen Eindruck. Nun mußte man auch in Wien, der damals größten deutschsprachigen Metropole, Überlegungen darüber anstellen, wie man in der österreichischen Reichshälfte des Habsburgerreiches dem Nationalgefühl Rechnung tragen konnte. So kam man auf den Gedanken, der westlichsten deutschen Universität mit der Gründung der Universität Czernowitz eine östlichste entgegenzusetzen. |
![]() Das 1908 vollendete und durch seine Schönheit berühmte Stadttheater von Czernowitz wurde von den österreichischen Architekten Fellner und Helmer entworfen. |
Die Bukowina erlangte ein hohes kulturelles Niveau. Bedeutende Schauspieler und Regisseure waren in der Bukowina tätig. 1905 wurde von den Theaterarchitekten Fellner und Helmer ein Theater mit einem Fassungsraum von 820 Personen und mit einem Kostenaufwand von 600.000 Kronen gebaut ein Theater, das in seiner Schönheit einzigartig ist. Hervorragende Gastkünstler wie Maria Fein, Konrad Veit, Paul Wegener, Hans Moser, Paul Kemp, Alexander Moissi, sowie das ganze Ensemble des Theaters an der Josefstadt usw. traten in Czernowitz auf. Nico Dostal war hier zeitweise als Dirigent tätig. Paula Wessely, Hans Thimig, Frida Richard, Raoul Aslan, Leopold Demuth spielten in Czernowitz. Auch stammt eine große Anzahl von Künstlern aus der Bukowina, wie Josef Gregor, der Librettist von Richard Strauß, Viorica Ursuleac, die Direktorin des Mozarteums Salzburgs und Gattin von Clemens Kraus, Josef Schmidt, Selma Kurz und Ferdinand Omo, um nur wenige zu nennen. Zu den bedeutendsten Schriftstellern zählen Rudolf Neubauer, Adolf Simigenowicz-Staufe, Karl Emil Franzos, Viktor Umlauf, Raimund Friedrich Kaindl, Alfred Klug, Heinrich Kipper, Hans Prelitsch, Georg Drozdowski, Gregor von Rezzori, Hans Philipowicz, Alfred Margul Sperber, Mathias Friedwagner, Michael Sowko, Johanna Brucker, Marianne Vincenz und Rudolf Wagner. |
Das größte und schönste Bauwerk der Bukowina ist die griechisch-orthodoxe Residenz in Czernowitz, die nach den Plänen des Prager Architekten Josef Hlavka 1863 erbaut wurde. Von Bedeutung sind auch die orthodoxe Kathedrale, erbaut nach Plänen des Architekten Andreas v. Mikulicz, dem Vater des berühmten Chirurgen Professor Johannes von Mikulicz (dem Lehrer von Professor Sauerbruch), das Rathaus und nicht zuletzt das vormalige Deutsche Haus. Von 1918 bis 1940 gehörte die Bukowina zu Rumänien. Nachdem Deutschland Ostpolen, Bessarabien und die Bukowina als Interessensgebiet der Sowjetunion anerkannt hatte, erklärte es sich auch mit der Umsiedlung der Auslandsdeutschen aus dem Baltikum, Bessarabien und der Bukowina einverstanden. Am 26. Juni 1940 verlangte die Sowjetunion von Rumänien ultimativ die Abtretung der Nordbukowina und Bessarabiens. So hieß es im Juni 1940 für die Buchenlanddeutschen Abschied von der Heimat zu nehmen, nachdem die Sowjetunion sie besetzt hatte. 100.000 Buchenlanddeutsche wurden umgesiedelt und leben heute verstreut in der ganzen Welt. Nur wenige Tausend leben in Österreich und haben in Linz im ,,Haus Czernowitz ein kulturelles Zentrum gefunden, ein Haus, in dem auch die studentischen Traditionen der Universitätsstadt Czernowitz gelebt und gepflegt werden. Die Bukowina kann mit Recht als ein Pan-Europa bezeichnet werden, denn in ihr haben viele Völker mit verschiedensten Religionsbekenntnissen, zumindest bis 1918, friedlich miteinander gelebt. Es ist bezeichnend, daß Protestanten und Katholiken sich gegenseitig geholfen haben, ihre Gotteshäuser zu erbauen. Die Schule stand, gleichsam als Schwester, dicht neben der Kirche. Nöte des Einzelnen waren Nöte der Gemeinschaft. Der Landesverband der Buchenlanddeutschen in Oberöstereich und Salzburg hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Tradition der Ahnen zu pflegen, damit sie nicht in Vergessenheit gerät. |
Knapp vor dem Ersten Weltkrieg bildeten die Buchenlanddeutschen fast zehn Prozent der Bevölkerung der Bukowina. Bild: Das Deutsche Haus in der Herrengasse von Czernowitz. |