Verband der Banater Schwaben Österreichs
Drei Jahrzehnte nach der Schlacht am Kahlenberg und der Befreiung Wiens von der türkischen Belagerung wurde das Banat, dieses zwischen Donau, Theiß, Marosch und den Karpaten liegende 28.523 km² große Land 1716 als letztes ungarisches Gebiet nach 164 Jahren durch Prinz Eugen von der osmanischen Herrschaft befreit. Nach Auffassung Prinz Eugens sollte dieses wichtige Grenzland als Keil zwischen den damals aufständigen Madjaren (Kuruzenkriege) und den ihnen freundlich gesinnten Türken ausgebaut werden. So wurde das neu erworbene Banat zu einer Krondomäne und blieb ein unveräußerliches königliches Gut mit zunächst nur geschätzten 85.000 Einwohnern. Der Wiener Hof war jedoch in der Folgezeit bemüht, das Banat in ein vorbildliches Gebiet der Monarchie zu verwandeln.
Drei Habsburger Kaiser waren es, unter deren Regierung sich die nun einsetzenden "Schwabenzüge" ins Banat ergossen: Erster Schwabenzug unter Kaiser Karl VI. 1723 - 1726; Zweiter Schwabenzug unter Maria Theresia 1763 - 1773 und Dritter Schwabenzug unter Joseph II. 1782 - 1787. Das Kolonisationswerk selbst wurde in der Planung und Durchführung von Wien aus vorgenommen und zählte trotz aller zeitbedingten Mängel mit zu den großen Leistungen Österreichs in der Zeit des 18. Jahrhunderts. Die angeworbenen Familien kamen aus mehr als 40 Auswanderungsgebieten, hauptsächlich aber aus Lothringen, Elsaß, Luxemburg, Franken, Baden, Sauerland und Schwaben. Im Jahre 1734 befanden sich im Banat bereits 46 deutsche Ortschaften.
Im Zeitraum von 1763 - 1770 stieg die Zahl der Deutschen im Banat von etwa 24.000 auf 43.000. Bis 1773 wurden 31 Ortschaften neu gegründet und 29 Siedlungen erweitert. Die Großtat der Siedler bestand in der Umwandlung des Banats in eine der ertragreichsten Kornkammern Europas. Das Banat wurde jedoch im Jahre 1778 laut Vertrag, den Maria Theresia 1741 mit den Ungarn geschlossen hatte, Ungarn einverleibt.
Joseph II. ließ 164 Banater Orte aus öffentlichen Versteigerungen an den Meistbietenden versteigern. Die deutschen Bauern, die vorher nur der Hofkammer unterstanden, wurden wieder Leibeigene. Im dritten Schwabenzug kamen nochmals rund 13.500 Personen ins Banat.
Nach der Revolution 1848 / 49 entstand die "Woiwodschaft Serbien und Temeser Banat" mit deutscher Amtssprache. Die neue "Woiwodschaft", deren Hauptstadt Temeswar wurde, umfaßte neben dem Banat auch die Batschka und die Rumaer und Illoker Bezirke des Komitates Syrmien und war unmittelbar der Reichsregierung in Wien unterstellt. Die Bevölkerung der gesamten Woiwodschaft betrug im Jahre 1851 knapp 1,4 Millionen Menschen, davon rund 400.000 Serben, 300.000 Deutsche, 300.000 Rumänen, 250.000 Ungarn und 13.000 Juden. Mit Wirkung vom 1. Jänner 1861 löste sich die Woiwodschaft auf, und das Banat wurde ein zweites Mal dem Königreich Ungarn einverleibt. Mit dem österreichisch-ungarischen "Ausgleich" von 1867 wurden die 1,8 Millionen Deutschen der ungarischen Reichshälfte dem ungarischen Nationalismus ausgeliefert. Das deutsche Schulwesen wurde nach und nach erdrosselt. Die deutschen Zeitungen des Banates schmolzen von 37 im Jahre 1889 auf 12 im Jahre 1910 zusammen.
Am 30. Dezember 1906 wird in Werschetz die "Ungarländische Deutsche Volkspartei"gegründet. Sie stellte sich die Aufgabe, die Überfremdung abzuwehren und die im Nationalitätengesetz von 1868 den Volksgruppen zugesagten Rechte durchzusetzen, Die Volkszählung im Jahre 1910 wies im Banat unter 1.852.439 Einwohnern 512.601 (27,6 %) Deutsche auf.
Der Ausgang des I. Weltkrieges brachte das Ende der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Der Friedensvertrag von Trianon (04.06.1920) zerstückelte das Banat in drei Teile: 18.945 km² fielen an Rumänien, 9.307 km² kamen zu Jugoslawien und 217 km² verblieben bei Ungarn.
Im neuen Vaterland Rumänien gingen die Banater Schwaben sehr zielstrebig an die Aufbauarbeit. Nach 1933 mischte sich die deutsche Reichsregierung immer häufiger in die Angelegenheiten der deutschen Volksgruppe ein, bis die rumänische Regierung mit Dekret vom 21. November 1940 diese als juristische Person öffentlichen Rechtes anerkannte. Ab Mai 1943 wurden auf Grund eines Abkommens zwischen Rumänien und dem Dritten Reich die Rumäniendeutschen in die deutschen Wehrverbände eingezogen. Zirka 8.500 von ihnen sind im Zweiten Weltkrieg gefallen.
Der Umsturz in Rumänien vom 23. August 1944 hat die Deutschen in Rumänien sehr getroffen: Politische, wirtschaftliche, kirchliche und kulturelle Organisationen wurden aufgelöst und verboten. Vertrieben wurden die Deutschen nicht. Im Januar 1945 wurde die arbeitsfähige deutsche Bevölkerung zur Aufbauarbeit in die Sowjetunion verschleppt. Durch die Bodenreform im März 1945 verlor die bäuerliche Bevölkerung ihre Existenzgrundlage. Im Sommer des Jahres 1951 wurden 40.000 Menschen entlang der jugoslawischen Grenze in die Baragan-Steppe zwangsumgesiedelt.
In der Volkszählung vom Januar 1948 gaben in Rumänien nur mehr 343.913 Personen Deutsch als Muttersprache an, davon im Banat 171.022. Das Ergebnis, das das "Neue Deutsche Forum" bei den Wahlen im Mai 1991 erzielte, war katastrophal.
Die kulturell-ethische Überlebenschance der Volksgruppe wurde unter dem Assimilationsdruck der Ceausescu-Diktatur immer geringer. Hinzu kam ab 1951 im Rahmen der Familienzusammenführung eine Rückwanderung Deutscher aus dem kommunistischen Rumänien in den Westen. Im Zeitraum von 1950 - 1992 beteiligten sich an der Aussiedlung rund 200.000 Banater Schwaben. Im Jahre 1950 waren es über 50.000. die in das Land ihrer Vorfahren zurückwanderten. Gegenwärtig dürften noch an die 25.000 Banater Schwaben in Rumänien leben.
Beim Herannahen der Front im September 1944 zogen zahlreiche Wagenkolonnen mit Flüchtlingen aus dem Banat nach Österreich. Die meisten von ihnen verbrachten den Winter 1944/45 im Burgenland, in Nieder- und Oberösterreich sowie Salzburg. Schon im Frühjahr 1945 lief eine Repatriierung der in der russischen Zone Österreichs befindlichen Flüchtlinge an. Unter russischer Eskorte fuhren vom Arsenal in Wien die Trecks der Volksdeutschen in ihre Heimat zurück. Nach Angaben des Bundesministeriums für Inneres befand sich die folgende Anzahl von Flüchtlingen aus Rumänien in Österreich. 01.01.1948: 56.601 Personen und 01.07.1956: 20.735 Personen. Rund 18.000 Banater Schwaben aus Rumänien fanden in Österreich eine neue Heimat.
Der "Verband der Banater Schwaben in Österreich" will neben der Geselligkeit die in der ehemaligen Heimat gewachsenen Verbindungen pflegen und weiterentwickeln. Gleichzeitig bemüht er sich, die Verbindung zu den in der Alten Heimat verbliebenen Landsleuten aufrecht zu erhalten sowie ihnen Hilfe zukommen zu lassen (Paketaktionen, Geldüberweisungen usw.). In seinem Bemühen wird er von der Heimatzeitung "Banater Post" tatkräfitg unterstützt. Sie wird in 12 Staaten Europas und in Übersee gelesen.
Verband der Banater Schwaben Österreichs
Obmann: Mag. Dr. Hans Dama
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