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PRESSEDIENST der ALTÖSTERREICHER (PAÖ)

Nr:2010/0018 31.05.2010

Kurzgeschichte zum volksdeutschen Sammellager Melk

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Bis 15. April 1945 gab es auf dem Gelände der Birago Kaserne ein Außenlager des KZs Mauthausen für 14.000 Insassen. 1945 befanden sich Hunderttausende von Volksdeutschen in Österreich. Sie wurden nach Kriegsende aus der Tschechoslowakei (Sudeten- und Karpatendeutsche) oder, wie die Deutsch-Untersteirer und Gottscheer, aus dem slowenisch-jugoslawischen Raum vertrieben. Bereits in den Herbstmonaten 1944 hatte man die Nordsiebenbürgensachsen und Teile der Donauschwaben aus dem Banat, der Batschka und dem kroatisch-syrmischen Raum hierher evakuiert. Auf österreichisches Gebiet waren bereits zu Kriegsbeginn Zehntausende von Umsiedlern gelangt und nach der deutschen Kapitulation Tausende von Ungarndeutschen. Die Sudeten-, Karpaten- und Ungarndeutschen mussten 1946 großteils das Land wieder verlassen und wurden zumeist über das Lager Melk nach Deutschland ausgesiedelt. Für sie galt das Potsdamer Protokoll, in dem die Alliierten im August 1945 den Abschub der deutschen Bevölkerung aus Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn nach Deutschland bestimmt hatten.

Die Errichtung des Lagers erfolgte auf sowjetische Anweisung und sollte den Abschub beschleunigen. Anfangs 1946 wurde das Sammellager für volksdeutsche Heimatvertrieben, Melk-Pionierkaserne in Betrieb genommen. Leitende Beamte waren Offiziere der ehemaligen Wehrmacht, die nicht der NSDAP angehört hatten. Hauptverantwortlich war die sowjetische Lagerleitung unter Major Kosomzow, der mit einem russischen Offiziersstab die Oberaufsicht hatte. Er unterstand dem sowjetischen Militärkommando für Österreich, das seinen Sitz in Wien im Hotel Imperial hatte. An der Spitze des Lagers stand Oberst Johann Kubasta. Im Bundesministerium für Inneres übte die Abteilung 12 U die Aufsicht über das Sammellager Melk aus. Für die Aufrechterhaltung der Ordnung sorgte ein bis zu 80 Mann starkes Aufgebot der österreichischen Polizei.

Nach den Vorstellungen der sowjetischen Leitung sollte das Sammellager rund 10.000 Menschen fassen. Tatsächlich hatte Melk aber einen Normalbelag von nur 3.600 Personen. Eine Zahl, die allerdings immer dann überschritten wurde, wenn sich die ankommenden und die abzutransportierenden Heimatvertriebenen kreuzten. Es befanden sich dann bis zu 8.000 Menschen im Lager. Der Anteil der Frauen und Kinder war extrem hoch. Später kamen auch Angehörige der Donauschwaben, die nicht für den Abschub bestimmt waren, in dieses Lager.

Die österreichischen Behörden bezeichneten die Einrichtung und Führung eines derart großen Sammellagers wegen der schlechten sanitären Verhältnisse und der angespannten Versorgungslage als sehr problematisch. Sie mussten sich aber dem Willen der Sowjets beugen. Die ersten Flüchtlinge hatten Anfang 1946, da keine Einrichtungsgegenstände vorhanden waren, auf ausgebreitetem Stroh und teilweise auf Strohsäcken zu schlafen. Bis zu 60 Personen, manchmal auch mehr, waren in einem großen Raum untergebracht. Die Familien wurden nicht getrennt, auch wurde eine Trennung von Männern und Frauen nicht vorgenommen. In kleineren Räumen wurden mehrköpfige Familien untergebracht. Die Räume waren anfänglich schmutzig, voll Ungeziefer und mangelhaft beleuchtet. Die elektrischen Leitungen und die Wasser- und Kanalinstallationen waren zum großen Teil schadhaft. Die sanitären Anlagen waren dadurch total verdreckt. Als Ersatz dienten zuerst notdürftig aufgestellte Latrinen. Die Beheizung der Räume war im Winter mangels Brennmaterials dürftig. Erst im Laufe der Monate besserte sich die Situation. Aus Wehrmachtsbeständen kamen Betten, Decken und Spinde. Die Installationen wurden in Ordnung gebracht, Duschen wurden installiert. Die Reinigung der Räume mussten die Flüchtlinge selbst besorgen, von den Blockaufsehern überwacht. Aus dem Stift Melk wurde Brennholz zugewiesen oder sogar Briketts beigestellt.

Unzureichend war auch die Verpflegung. Zum Frühstück gab es Kaffee und Brot, mittags einen Eintopf und abends zumeist Brot mit einem Stück Wurst oder etwas Käse. Für die Kinder wurde auch Milch ausgegeben. Die Kalorienzuteilung war gleich wie jene für die Zivilbevölkerung. So betrug im Herbst 1945 die Kalorienzuteilung 800 pro Kopf und Tag und wurde im Laufe des Jahres 1946 auf 1200 bis 1500 Kalorien angehoben. Aufgebessert wurden die Verpflegungsrationen durch die UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration), die an die Lagerkinder Kondensmilch verteilte.

Die Quoten der Transporte wurden nach dem Bedarf an Arbeitskräften berechnet. Und der war in der Landwirtschaft und in der Industrie sehr hoch, weil durch die Kriegsverluste und die Repatriierung der NS-Zwangsarbeiter Arbeitskräfte fehlten. Die Lagerverwaltung erstellte die Transportlisten. Die Listen wurden in vierfacher Ausfertigung erstellt und von einer Dolmetscherin in kyrillischer Schrift übersetzt. Die Transporte wurden alle 2 bis 3 Tage abgefertigt. Das genaue Ziel der Transporte wurde nicht bekannt gegeben. Man wusste nur, dass es in die amerikanische Zone Deutschlands ging. In Linz wurde der erste Zielpunkt genannt, in den ein Teil der Flüchtlinge gebracht wurde, dort wieder für den weiteren Teil der Flüchtlinge die nächste Stadt usw. Die Stationen bestimmten die Amerikaner an Ort und Stelle.

 

Herkunft der Transporte aus Österreich

Mit Angabe der Personenzahlen

Melk

62 Transporte

72.930

Braunau am Inn

1 Transport

899

Bregenz

3 Transporte

1.806

Ebensee

1 Transport

980

Eisenerz

4 Transporte

2.367

Feistritz

1 Transport

644

Freistadt

1 Transport

269

Graz

11 Transporte

7.483

Hörsching

1 Transport

970

Innsbruck

2 Transporte

545

Kapfenberg

5 Transporte

3.694

Klagenfurt

15 Transporte

10.734

Kleinmünchen

36 Transporte

29.394

Kroisbach

1 Transport

1.156

Linz

26 Transporte

20.130

Ried

1 Transport

580

Salzburg

29 Transporte

12.657

Schattendorf

1 Transport

361

Spittal an der Drau

2 Transporte

594

Villach

8 Transporte

6.797

Wels

3 Transporte

2.749

Wien

15 Transporte

14.365

Wien-Hütteldorf

41 Transporte

31.871

Wörgl

1 Transport

450

 

 

Gesamtsumme der erfassten Personen

224.425

Anzahl der Transporte

271

Mag.Dr. Peter Wassertheurer

Rückfragehinweis: Mag. Dr. Peter Wassertheurer
Leiter der Öffentlichkeitsarbeit

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