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PRESSEDIENST der ALTÖSTERREICHER (PAÖ)
| Nr:2009/023 | 24.11.2009 |
Am 21. November 2009 sprach Gerhard Zeihsel, Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ) und Stv. Vorsitzender des Verbandes der volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ), bei einem Festkommers in der Wiener Hofburg über den Diktatfrieden von Saint Germain und dessen Folgen. Zeihsel machte darauf aufmerksam, dass bereits vor dem Abschluss der Verhandlungen in Saint Germain vollendete Tatsachen (Fait accompli) geschaffen worden waren: "Die neuen Machthaber zählten zu den Siegern und begannen bereits nach den Unabhänggkeitserklärungen ihre territorialen Ansprüche militärisch abzusichern. Im Dezember 1918 marschierten tschechische Einheiten in die deutschen Gebiete ein und okkupierten sudetendeutsche Städte (...) Auch südslawische Truppen besetzten in den Wochen zwischen November und Dezember 1918 Südkärnten und das südsteirische Gebiet mit den Städten Marburg, Pettau und Cilli. Das Ziel war die Schaffung vollendeter Tatsachen, die nach dem Gesetz des Stärkeren die Verbündeten in Saint Germain zu akzeptieren hatten."
Obgleich die Provisorische Nationalversammlung der Republik Deutsch-Österreich im November 1919 den Anspruch auf "die Gebietshoheit über das geschlossene Siedlungsgebiet der Deutschen innerhalb der im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder" erhob, wurde den Sudetendeutschen in Böhmen, Mähren und Österr.-Schlesien, den Karpatendeutschen im vormals oberungarischen Raum, den Deutsch-Untersteirern im Süden des alten Herzogtums Steiermark, den Gottscheern aus der Krain, den Südtirolern und kleineren Bevölkerungsgruppen wie den Deutsch-Kärntnern im Kanal- und Seetal das nationale Selbstbestimmungsrecht verweigert.
Damals wurde nach Zeihsel ein Mythos geschaffen, der die deutsche Siedlungsgeschichte in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa als "Akt einer brutalen Germanisierung zur Unterdrückung und Ausbeutung der slawischen Völkerschaften dargestellte." Solche Feindbilder degradierten die deutschen Volksgruppen zu "Kolonisten", denen man etwa in Prag, Preßburg, Belgrad, Agram, Budapest und Laibach nur ein Gastrecht zuerkannte. Dass die neuen Machthaber 1919 auch vor brutaler Gewalt nicht zurückschreckten, beweisen nach Zeihsel die 54 sudetendeutschen Mordopfer des 4. März 1919 und die 13 Toten des "Marburger Bluttags" vom 27. Jänner 1919.
Die Todessalven im Sudetenland und in der Deutsch-Untersteiermark markierten eine neue Qualität in der europäischen Volksgruppenpolitik, die Zeihsel wie folgt kommentierte: "Die Suche nach den Ursachen für die Vertreibung der Deutschen aus Schlesien, Ungarn, Jugoslawien und der Tschechoslowakei hat nicht im Jahr des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs zu beginnen, sondern muss bereits in den ersten Wochen und Monaten unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ansetzen. Die Friedensdiktate von Saint Germain, Versailles und Trianon provozierten eine leidvolle Entwicklung, die in direkter Folge erst die Jahre 1933, 1938, 1939 und 1945 möglich machten. Diese Kette an unheilvollen Ereignissen haben die Akteure von Saint Germain, Versailles und Trianon zu verantworten."
Den engen kausalen Zusammenhang zwischen Saint Germain und dem Münchener Abkommen beschrieb bereits 1938 Österreichs Staatskanzler und Bundespräsident Karl Renner, dem Zeihsel folgendes Zitat entnahm: "Das tragische Opfer von St. Germain und ihrer Berichtigung durch München ist diesmal das tschechische Volk: dort verführt, über seine eigene Kraft sich zu erheben, ist es hier tief herabgestürzt worden, tiefer als seinem geschichtlichen Range entspricht. Es büßt nur zum Teil eigene, es büßt noch mehr fremde Schuld."
Die Rede können Sie hier nachlesen
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Rückfragehinweis: Mag. Dr. Peter
Wassertheurer Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften
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