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PRESSEDIENST der ALTÖSTERREICHER (PAÖ)
| Nr:2008/007 | 05.03.2008 |
Das historische Gedächtnis von Gemeinschaften ist eine Leistung des kollektiven Erinnerungsvermögens und ein brauchbarer Wegweiser dafür, wie mit der eigenen Geschichte umgegangen wird. Die Reflexion historischer Ereignisse kann kritisch oder unkritisch, subjektiv oder objektiv, ehrlich oder unehrlich, isoliert oder in Kooperation mit allen Beteiligten erfolgen. Es ist nach dem französischen Soziologen Maurice Halbwachs der jeweilige Zustand der Gegenwart, der über die Geschichte von Gemeinschaften urteilt und sie bewertet. Große Gemeinschaften wie Staaten oder Nationen haben eine Geschichte, die heute unter den Vorzeichen einer zeitgeistigen Interpretation als Geschichte der Täter oder als Geschichte der Opfer dargestellt wird. Alle Staaten und Nationen haben ihre Täter und Opfer. Es gibt sie in der deutschen Geschichte ebenso wie in den Geschichten der anderen Völker. Zu glauben, dass die deutsche Geschichte lediglich als eine Geschichte der Täter verstanden werden kann, ist dumm und kurzsichtig. Und gerade hier scheint sich in den letzten Jahren in der deutschen Medienlandschaft eine Bewusstseinsänderung vollzogen zu haben. Erst vor wenigen Monaten strahlte der ARD seinen Zweiteiler "Die Flucht" aus und stellte das Schicksal der Vertriebenen aus dem ehemaligen deutschen Osten vor. Vor wenigen Tagen war das grausame Schicksal von Tausenden von Vertriebenen auf der Wilhelm Gustloff Gegenstand einer ZDF-Sendung. Am 30. Januar 1945 wurde die Gustloff von einem russischen Torpedo versenkt. Über 8.000 Menschen, Kinder und Frauen, die vor der heranrückenden Front flüchteten, kamen dabei ums Leben.
Vielleicht haben die Diskussionen um die Bene-Dekrete und das in Berlin geplante Zentrum gegen Vertreibungen das Verhältnis zwischen Berlin und Warschau oder zwischen Wien und Prag eingetrübt und auf dem diplomatischen Bankett viel Staub aufgewirbelt. Aus Sicht einer historischen Aufarbeitung der gemeinsamen Geschichte waren und sind sie aber notwendig, weil sich zwischen den Zeilen der geschriebenen Geschichte immer noch Mythen und Feindbilder einschleichen, die eine Verständigung nur schwer möglich machen. Und hier geht es nicht um einen billigen Revanchismus, sondern um die ganz einfache Klarstellung, dass auch die Deutschen und Österreicher das Recht haben, der eigenen Opfer zu gedenken und diese in den eigenen Geschichtsbüchern auch anzuführen.
In Österreich bleibt zu hoffen, dass sich der ORF an das Beispiel der deutschen Sendeanstalten anlehnt und damit beginnt, das Schicksal der im eigenen Land lebenden Heimatvertriebenen zum Gegenstand solcher historischen Dokumentationen zu machen. Immerhin haben nach 1945 über 350.000 Heimatvertriebene aus der ehemaligen Tschechoslowakei und dem ehemaligen Jugoslawien und Rumänien in Österreich eine neue Heimat gefunden.
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Rückfragehinweis: Mag. Dr. Peter
Wassertheurer Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs |