Präsentation Parlamentarische Gedenkreisen im Parlament

Rede Parlamentspräsident Andreas KHOL

"Gedenkreise im Gedankenjahr 2005" war eine Initiative, die von den Vertriebenensprechern unserer im Nationalrat vertretenen Parteien, angeführt von Abgeordneten Norbert Kapeller, durchgeführt wurde. Und dass wir uns heute mit so vielen Vertretern aus der "alten Heimat" hier im Parlament am Ring zusammen finden, ist eine schöne und eine würdige Krönung dieses Jahres 2005, wo wir uns an so viele Dinge erinnert haben: An gute Dinge, an schlechte Dinge, an Schattenseiten unserer Geschichte, aber auch an die schönen Seiten.

Ich freue mich, dass uns an der Spitze des Verbandes der Volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs unser alter Freund, Dipl.-Ing. Rudolf Reimann, hier besucht und auch sprechen wird. Er wird alle anderen seiner Gruppe, auch in meinem Namen, begrüßen. Lieber Freund, herzlich willkommen. Ich möchte auch die Vertreter der österreichischen Heimatvertriebenenverbände und die Vertreter der deutschen Minderheiten aus Südosteuropa, die zum Teil in Trachten hier sind, herzlich willkommen heißen. Seien Sie hier zuhause! Ich freue mich, dass der Präsident des Bundesrates a.D., Kommerzialrat Peter Mitterer, hier bei uns ist. Und natürlich begrüße ich die Abgeordneten, die diese Reisen gemacht haben, nämlich Norbert Kapeller, Werner Kummerer, Terezija Stoisitz, Toni Wattaul und Barbara Rosenkranz. Ich bedanke mich bei Ihnen, meine Damen und Herren Abgeordneten, Sie haben dem Haus Ehre gemacht.

Ich möchte nur einige Gedanken mit Ihnen teilen und noch einmal betonen, wie wichtig es war, unsere "eigenen Landsleute" zu besuchen, damit wir die Verbindung, die diese Menschen mit unserer Republik haben, unterstreichen konnten. Es ist wichtig, dass uns die Abgeordneten von der Lebenssituation dieser deutschsprachigen Minderheiten berichten, damit unsere Verantwortung in diesem Bereich dokumentiert wird. Wir dürfen nicht vergessen, was geschehen ist, nicht die Vertreibungen und nicht das Unrecht nach 1945 - ebenso wenig wie wir das Unrecht vergessen, das wir selber vor 1945 begangen haben.

Es ist bedrückend zu wissen, dass von den 1,6 Millionen Zwangsarbeitern des Deutschen Reiches auf österreichischem Gebiet ein großer Anteil so genannte Volksdeutsche waren: 450.000 umgesiedelte, geflüchtete, vertriebene Volksdeutsche aus der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Rumänien. Ein Teil dieser Volksdeutschen wurde 1945/46 nach Deutschland repatriiert. Ich kann mich noch sehr gut als 8- oder 9-jähriges Kind an die Barackensiedlungen erinnern, die es in Innsbruck für Volksdeutsche gegeben hat. Ich erinnere mich mit Scham daran, dass es eine lange Zeit gedauert hat, bis wir die Volksdeutschen in Österreich integriert haben. Es waren an die 360.000, die in Österreich verblieben sind, und ich weiß, dass es auch schwierig war, für diese Gruppen die Staatsbürgerschaft zu bekommen. Die Republik hat nur begrenzt Arbeitsbewilligungen ausgegeben, und es hat lange gedauert, bis die Staatsbürgerschaft geklärt war, bis man mit dem Optionsgesetz von 1952 die Möglichkeiten schuf, diesen Frauen und Männern in Österreich eine neue Heimat zu geben. Und es ist nicht ohne Zusammenhang, dass gerade das Bundesland Oberösterreich das erfolgreichste Bundesland ist, was Wirtschaftskraft, Arbeitsplätze, Lebensqualität betrifft: Es waren sicherlich der Fleiß, die Ausdauer und die Hingabe dieser neuen Staatsbürger mit daran beteiligt. Heutzutage leben die Nachkommen und diejenigen, die das damals miterlebt haben, im blühenden Österreich, sind angesehene, geachtete Bürger, die dieses Land zu diesem Wohlstand gebracht haben.

An das wollte ich erinnern. Ich bedanke mich bei jenen vielen damaligen "Volksdeutschen" und ihren Kindern für den Beitrag, den sie leisteten, damit Österreich das wurde, was es heute ist: ein Musterland in Europa mit einer sozialen und ökosozialen Marktwirtschaft, wo es gut ist, Heimat zu finden. Die Initiative der Abgeordneten, und damit möchte ich schließen, zeigt, dass wir uns mit unserer jüngeren Vergangenheit auseinandersetzen, dass wir uns unserer historischen Verantwortung bewusst sind, dass wir nichts unter den Tisch kehren wollen, dass wir auch vor der eigenen Türe zu kehren haben, dass wir aber auf der anderen Seite stolz auf unsere Geschichte sind und stolz auf unsere Landsleute, wo immer sie in Europa heute Heimat haben.