Nr.: 2002026 |
Aussendung vom 06.09.2002: |
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Wien, am 6. 09. 2002
Politik soll endlich handeln
Geschichte nicht als Alibi mißbrauchen
Beim jüngsten Treffen zwischen Bundespräsident Thomas Klestil und seinem tschechischen Amtskollegen Vaclav Havel in Znaim vom 6. September 2002 wurde eine gemeinsame Erklärung verabschiedet, in der die Aufarbeitung der "dunklen Seiten der Geschichte" als wichtiger Schritt zur Verbesserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern bestätigt wurde. Außerdem müssen, so Bundespräsident Klestil in seiner Stellungnahme, die Probleme um die Bene-Dekrete bis zum EU-Beitritt Tschechiens gelöst werden.
Klestil und Havel sprachen sich in diesem Zusammenhang für einen "offenen Dialog auf mehreren Ebenen und in verschiedenen Foren" aus. Dazu meint der Bundesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft in Österreich (SLÖ), Gerhard Zeihsel: "Ein Dialog macht nur dort Sinn, wo über die wirklichen Probleme und Konfliktfelder offen diskutiert wird. Die historischen Fakten sind bekannt. Beide Seiten wissen, was die Bene-Dekrete sind, was sie angerichtet hatten, und welches Leid der Völkermord an der sudetendeutschen Volksgruppe angerichtet hatte. Wir brauchen keine Historikerkommissionen oder sonstige Geschichts- und Aufarbeitungsforen mehr, sondern konkrete Verhandlungen zur Lösung der offenen Resitutionsfragen, zur Beseitigung der für den Völkermord verantwortlichen Bene-Dekrete und zur Anerkennung des Heimatrechtes." Zeihsel erklärt in diesem Zusammenhang, daß "die Sudetendeutschen von den tschechischen Regierungsstellen endlich als gleichberechtigter Verhandlungspartner anerkannt werden müssen." "Eine moralische Geste aus Prag ist uns Sudetendeutschen auf jeden Fall zuwenig", meint Zeihsel in Richtung beider Regierungen.
Wann wird sich endlich die Erkenntnis durchsetzen, daß endlich die Opfer des Genozids in die Verhandlungen direkt eingebunden werden müssen, damit nicht immer Nicht-Betroffene über das Schicksal und das enteignete Vermögen der Sudetendeutschen entscheiden. Eine wirkliche moralische Geste ist nur dann glaubwürdig, wenn sie die Entschädigungsfrage löst.