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Aussendung vom 19.03.2001: |
Pressedienst der Altösterreicher
Gedenktafelenthüllung in Wien
Wien, 19. März 2001
Der Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften Österreichs (VLÖ) und die Bezirksvertretung von Wien-Favoriten enthüllten am 16. März 2001 in Wien 10, Sapphogasse 20 zwei Gedenktafeln.
Nachdem es am Vortag stark geregnet hatte, war bei der Feierstunde Kaiserwetter angesagt. Wolfgang Mussner hatte alle Vorbereitungen getroffen und so konnte eine würdige Gedenkfeier ablaufen.
VLÖ-Vorstandsmitglied Gerhard
Zeihsel konnte hochrangige Vertreter aus der Politik begrüßen: für Bürgermeister
Häupl und Klubobmann Hatzl war LAbg. Volkmar Harwanegg (SPÖ) gekommen, weiters Bundesrat
Mag. John Gudenus (FPÖ), Klubobmann LAbg. Mag. Hilmar Kabas (FPÖ) war mit den
LAbg. Mag. Helmut Kowarik, Hubert Rogelböck und Heinz Christian Strache
(alle FPÖ) anwesend, der 10. Bezirk er wäre einwohnermäßig die
drittgrößte Stadt Österreichs war durch die Bezirksvorsteher-Stellvertreter
Günther Titz (SPÖ) für Bezirksvorsteherin Hermine Mospoitner und Hennriette
Frank (FPÖ), die Bezirksräte Ing. Reinhard Rengshausen (LIF), Bernd A.
Zeissel (FPÖ) und Steffi Bauer (SPÖ) vertreten, weiters Bezirksrat Alfred
Bäcker (FPÖ-Meidling), den Vorsitzenden der Seliger Gemeinde Leo Zahel, der
mit mehreren Vorstandsmitgliedern gekommen war, die Österreichische Landsmannschaft
vertrat Gertraud Schuller, den Neuen Klub Kurt Kerschbaum, die
Seligersiedlung der Obmann des Aufsichtsrates der Freischaffenden Dir. Brixa.
Herzlich willkommen geheißen wurden die Oberlaaer Dorfmusik, die die Umrahmung der
Feierstunde besorgte, die vielen Trachten- und Fahnenträger mit ihren Amtswaltern der
VLÖ-Mitgliedsverbände Sudetendeutsche, Donauschwaben, Siebenbürger Sachsen und
Karpatendeutsche. Zeihsel begrüßte besonders die Gestalter der Feierstunde VLÖ-Bundesvorsitzenden
Dipl.-Ing. Rudolf Reimann, den Leiter des Sudetendeutschen Dokumentationsarchivs Horst
Mück und Lm. Ferdinand Lambert der namens der Siedlung der Heimatvertriebenen
eine Ansprache hielt.
LAbg. Volkmar Harwanegg überbrachte die Grüße von Bgm. Häupl und Klubobmann LAbg. Hatzl und beklagte in seiner Ansprache die Tatsache, daß aus der Geschichte keine Lehren gezogen werden und es heute überall auf der Welt wieder Vertreibungen gäbe. Diese Gedenktafeln mögen eine Mahnung an die Bevölkerung sein friedliche Entwicklungen zu unterstützen. Grundlage sei das Wissen um alle geschichtlichen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Zur ersten Gedenktafel sprach Dipl.-Ing. Rudolf Reimann. Er gedachte der schweren Zeiten von Flucht und Vertreibung und der langsamen Eingliederung in der neuen Heimat Österreich. Mit der Siedlung der Heimatvertriebenen (Seliger-Siedlung) war eine wertvolle Starthilfe gegeben worden. Die heimatvertriebenen Altösterreicher deutscher Muttersprache wären ein sehr wichtiger Faktor beim Wiederaufbau Österreichs gewesen und die gekommenen "Zerlumpten" sind wertvolle Staatsbürger geworden. Mit den Gedenktafeln sei erstmals in Wien der Vertreibung offiziell gedacht worden.
Zur zweiten Gedenktafel skizzierte Horst Mück das Leben des verdienten sudetendeutschen Arbeiterführers Josef Seliger der in seinem nur 50 jährigem Lebens sehr viel für eine soziale und nationale Gerechtigkeit gewirkt hat. Unvergessen bleibt seine Organisation des Generalstreiks am 4. März 1919 für den Verbleib der sudetendeutschen Gebiete bei Deutsch-Österreich.
Ein Rückblick auf Geleistetes
Lm. Ferdinand Lambert (Donauschwabe)
betonte als Sprecher der Bewohner der Seliger-Siedlung, was für eine Bedeutung die beiden
Tafeln für sie hätten. Er erinnerte als Betroffener an die Jahre 1944 1946, in
welchen das Unglück des Zweiten Weltkrieges in besonderem Maße über jene Volksdeutschen
hereingebrochen ist, die aus den Ländern der ehemaligen CSR, Jugoslawien, Ungarn und
Rumänien stammen. Sie wurden ihres Hab und Guts beraubt und aus ihrer angestammten Heimat
vertrieben, aus dem einzigen Grund, weil sie Deutsche waren. Lambert erinnerte daran, wie
sich das zerstörte Österreich den einigen hunderttausend Vertriebenen darbot:
Lebensmittelknappheit und Wohnungsnot herrschte. In dieser Zeit wurde die "Interessensgemeinschaft
Volksdeutscher Heimatvertriebener (IVH)" durch die Sudetendeutschen Ing. Egon
Bodinger, Dr. Pecher und Leo Zahel sen. und dem Donauschwaben Dr.
Sebastian Werni gegründet. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, sich für die Sorgen und
Nöte der Heimatvertriebenen einzusetzen. Viele wohnten damals noch in Notunterkünften
und Barackenlagern, das bekannteste war jenes in Simmering. In den endvierziger Jahren
wurde als Gegenmaßnahme die I.V.H.-Baugenossenschaft gegründet, mit dem
donauschwäbischen Obmann Peter Hack dem späteren Generaldirektor der
großen "Sozialbau". Die beiden Minister Oskar Helmer und Karl Maisel wurden Freunde und Förderer der Anliegen. Dadurch konnte eine unbürokratische Einbürgerung und mit 180 Millionen Schilling von 1951 1953 die Seliger-Siedlung mit 210 Wohnungen und 5 Geschäftslokalen errichtet werden. Weiters wurden von der I.V.H. noch rund 350 Wohnungen in den Siedlungen "Wienerfeld-West" an der Laxenburgerstraße, in Graz und Einfamilienhäuser in Kapfenberg (Stmk) errichtet. Seit damals lebt nun schon die dritte Generation der Vertriebenen, aber inzwischen haben auch viele Einheimische eine Wohnung gefunden, betonte Lambert. Er schloß mit einem Dank der Bewohnerschaft an die Gemeinde Wien und die Favoritner Bezirksvertretung, der auch die Möglichkeit der Errichtung dieser beiden Gedenktafeln zu verdanken sei.
LAbg. Hubert Rogelböck hatte am 18. Mai 1994 mit den Bezirksräten Ing. Gerd Seeliger und Bernd Zeissel (alle FPÖ) anläßlich des 50. Gedenkjahres der Vertreibung von 1945 im nächsten Jahr in einem Antrag diese beiden Gedenktafeln gefordert. Es sollte fast sieben Jahre brauchen, bis es zur Umsetzung kam, erinnerte der damalige Bezirksvorsteher-Stellvertreter Rogelböck und brachte den Wortlaut des Antrages zur Verlesung.
Enthüllung der beiden Gedenktafeln
Nunmehr war
der Höhepunkt und Abschluß der Gedenkfeier gekommen. Bez. Vorsteher Stellv. Titz
enthüllte eine Gedenktafel und Bundesvorsitzender Dipl.-Ing. Reimann die andere unter
starkem Beifall der fast dreihundert Teilnehmer. Die schön gestalteten Mamortafeln geben
ein schönes Bild beim Eingang in die Seliger-Siedlung ab. Mit der Österreichischen
Bundeshymne, die von den Festteilnehmern mitgesungen wurde, endete der offizielle Teil
dieser würdigen Feierstunde.
Bei Brötchen und Getränken wurden noch so manche Gespräche mit den anwesenden Politikern und den aus den verschiedenen Landsmannschaften stammenden Gästen geführt, begünstigt durch die milde Wetterlage.