"Gemma Kanzler
schaun" dieses Motto haben sich viele Heimatvertriebene zu Herzen
genommen und waren ins Haus der Heimat gekommen. Die Stockwerke waren hell beleuchtet, das
Haus der Heimat erstrahlte in einem vorweihnachtlichen Glanz: und dann
dann kam er,
der Kanzler der Republik Österreich zu uns.
Am 23. November 2005
besuchte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel das Haus der Heimat im 3. Wiener Gemeindebezirk.
Schüssel folgte einer Einladung, die der Bundesvorsitzende vom Verband der volksdeutschen
Landsmannschaften Österreichs, Rudolf Reimann, bei seinem Besuch im Bundeskanzleramt
ausgesprochen hatte. Begleitet wurde Schüssel vom Vertriebenensprecher der ÖVP, AbgzNR
Norbert Kapeller. Die Begrüßung nahm Bundesvorsitzender Reimann gemeinsam mit seinen
beiden Stellvertretern, Gerhard Zeihsel (Bundesobmann der Sudetendeutschen
Landsmannschaft) und Ludwig Niestelberger (stv. Obmann der Landsmannschaft der
Siebenbürger Sachsen), vor.
Zunächst betrat Schüssel den Ausstellungsraum, wo gerade die
letzten Vorbereitungen zur sudetendeutschen Sonderausstellung über die
"Kutzermaler" abgeschlossen worden waren. Im Ausstellungsraum bereitete sich
indessen ein deutscher Privatsender für ein Interview vor. Kroatien hatte nämlich am
Vortag das bilaterale Abkommen mit Österreich unterzeichnet. Damit können auch
österreichische Staatsbürger, die nach 1945 aus dem Gebiet der Republik Kroatien
vertrieben wurden, eine Entschädigung beantragen. Dazu zählen in erster Linie die
vertriebenen Donauschwaben.
Nach einem kurzen Rundgang im Hof, den der Kanzler dazu nutzte,
um die Wappen der Landsmannschaften und den originalen Fluchtwagen aus Nord-Siebenbürgen
zu bestaunen, gab es eine kurze Besichtigung des Festsaals, der von Familie Mussner auf
Hochglanz gebracht wurde. Ein Augenschmaus war auch das Buffet, das Frau Mussner mit ihrem
Team auf den Tisch gezaubert hat.
Dann ging es mit dem
Lift in den dritten Stock, wo die Donauschwaben beheimatet sind und den Kanzler mit einem
herzlichen "Grüß Gott" willkommen hießen. Strahlend ging der Bundeskanzler
durch die Reihen und schüttelte die vielen Hände, die ihm entgegengestreckt wurden.
Obmann Josef Wagner stellte in seiner kurzen Ansprache den Schwabenverein vor. Zum
Abschluss sang der Schwabenchor das "Lied der Donauschwaben".
Im zweiten Stock
erwarteten die Sudetendeutschen den Kanzler bereits bei der Eingangstür und überreichten
ihm eine Fotodokumentation vom Sudetendeutschen Heimattag 2001 in Nürnberg. Damals hatte
der österreichische Regierungschef den Sudetendeutschen Karlspreis erhalten. Spannend
wurde es dann bei den Klöpplerinnen. Bundeskanzler Schüssel nahm die Gelegenheit beim
Schopf, selbst einmal die Klöppeln in die Hand zu nehmen, um sich in diesem Kunsthandwerk
unter Anleitung von Gerda Mayer zu versuchen: "Drehen und kreuzen, Herr
Bundeskanzler, ganz einfach nur drehen und kreuzen." Im Sitzungssaal der
Sudetendeutschen Landsmannschaft überreichte Bundesobmann Gerhard Zeihsel dem
Bundeskanzler ein ganzes Sortiment der originalen Karlsbader Oblaten.
Zum Schluss gaben
sich die Südmährer und Siebenbürger Sachsen die Ehre, den Bundeskanzler im ersten Stock
zu begrüßen. Nach einem kurzen Gespräch mit den Südmährern zeigte sich Schüssel
über die Tonkrüge und Stickereien der Siebenbürger Sachen hoch erfreut. Bundeskanzler
Schüssel ließ es sich nicht nehmen, bei den Siebenbürger Sachsen einen Krug und zwei
Rosenkugeln einzukaufen. Ganz am Ende seiner Visite im ersten Stock ließ der
Bundeskanzler die Siebenbürger Sachsen wissen, dass er unbedingt einmal Siebenbürgen
besuchen möchte, das er noch nicht kennt.
Als letzte Station
des Kanzlerbesuchs bot wieder der Festsaal das Ambiente für den Vortrag, den Kanzler
Schüssel vor den Heimatvertriebenen hielt. Kanzler Schüssel hat frei gesprochen und das
Verhältnis Österreichs zu Tschechien, Kroatien, Slowenien, Serbien und zur Slowakei
beschrieben. Er betonte dabei die Notwendigkeit eines offenen Dialogs, die neuen
Freiheiten durch die EU-Erweiterung und die Leistungen der Heimatvertriebenen, die nach
1945 viel zum Aufbau Österreichs beigetragen haben. VLÖ-Chef Reimann bedankte sich bei
Kanzler Schüssel und überreichte ihm die VLÖ-Ehrennadel. An dieser Stelle würdigte
Reimann auch die Leistungen von Gesandten Thomas Buchsbaum aus dem österreichischen
Außenministerium, der die österreichische Delegation bei den Verhandlungen mit Kroatien
leitete. Mit tosendem Applaus wurde Bundeskanzler Schüssel verabschiedet.